Teilzeitkrank – Es lebe der Kontrast!

Es ist nun schon ein paar Tage her, dass ich den letzten Beitrag veröffentlicht habe. Meine Leserinnen und Leser mögen es mir nachsehen. Der Grund hierfür war, dass ich mich seit gut vier Wochen mehr oder weniger mit einer hartnäckigen Erkältung herumschlage. Anders, als es z.B. Seppo in seinem gleichnamigen Blogartikel beschrieben hat, war ich die meiste Zeit ganz krank. Allerdings wissen die Eltern unter Euch, dass man als Mama (oder Papa) eigentlich nur noch teilzeitkrank sein kann. D.h. man muss mindestens eine gewisse Zeit des Tages in irgendeiner Form aktiv sein, um den Nachwuchs angemessen zu versorgen und zu betüddeln. Eine echte Herausforderung, und erst jetzt weiß ich nachträglich die Zeit zu schätzen, in der ich mich, wenn es mich erwischt hatte, einfach ein paar Tage und Nächte ins Bett gelegt und auskuriert habe…

Es wäre nicht dieser Blog, wenn ich jetzt beim Lamento stehen bliebe, denn es ist nicht meine Intention, mich hier in Gejammer zu ergehen. Vielmehr habe ich mich diese vier Wochen so gut ich konnte darin geübt, es als einen Kontrast zu sehen, und mich darauf zu freuen, wenn es alles wieder besser und leichter geht. Ich habe viel gelernt in diesen Wochen: wieder mehr Geduld, vor allem mit mir selbst. Termine abzusagen, von denen ich eigentlich gesagt hatte, sie wären unabsagbar und unverschiebbar. Weniger, viel weniger von mir selbst zu erwarten. Aushalten, dass es gerade ist, wie es ist. Insgesamt: langsamer machen!

Ich habe neulich in “Atempause” geschrieben, dass ich ein wenig viel gearbeitet hatte. Nun, jetzt weiß ich, dass es sich nicht nur viel anfühlte, sondern dass es auch zuviel war. Eine Bestätigung, ein Lernerfolg. Immer noch bin ich dabei, auszuloten, was mit einem Kind anders ist. Das machbare Arbeitspensum ist auf jeden Fall geringer, jedenfalls für mich. Die vielgerühmte “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” ist aus meiner Sicht auf jeden Fall ein Balanceakt, bei dem es auch darum geht, zu entscheiden, wo man welche Abstriche macht. Entweder man lässt das Kind rund um die Uhr fremdbetreuen – oder man muss weniger arbeiten. Und wie eine andere Mutter dieses Jahr am Sandkasten sagte: “Ich habe die Kinder ja bekommen, um mit ihnen Zeit zu verbringen, und nicht um sie in noch eine Betreuung zu geben und in noch eine”…

Nun zum zweiten Teil der Überschrift: dem Kontrast. Jetzt habe ich die Erkältung fast überstanden, Donnerstag gehe ich wieder arbeiten und freue mich sogar schon (fast) darauf. Und es fühlte sich wirklich gut an, das erste Mal wieder einkaufen gehen zu können, das erste Mal mit Spaß einen Bauklotzturm zu bauen, das erste Mal wieder mit rausgehen und die Schaukel anschubsen zu können! Ich wertschätze gerade jeden kleinen Schritt, der wieder besser geht! Und gleichzeitig wertschätze ich auch die Signale meines Körpers, die mir sagen, dass ich die letzten Tage der Rekonvaleszenz (und vielleicht auch noch etwas länger) noch ein wenig langsam machen sollte, dass ich nicht gleich zuviel erwarten sollte, wenn ich z.B. nach dem In-die-KiTa-bringen schon wieder erschöpft bin und meine Ruhe haben will. Eine gute Erinnerung daran, dass vieles, an das ich normalerweise so sehr gewöhnt bin, nicht selbstverständlich ist. Dass das reibungslose Funktionieren meines Körpers und das Energielevel, den ich im Alltag gewöhnt sind, alles andere als selbstverständlich sondern eher ein Grund zum täglichen Feiern ist.

In diesem Sinne: Hoch die Teetassen! Genießt mit mir den wunderbaren Alltag und alle gemeisterten Herausforderungen – und lasst uns ab und zu daran denken, immer mal wieder innezuhalten und langsamer zu machen. Denn auch wenn es ein schöner Kontrast ist, zu oft muss ich auch nicht krank im Bett liegen. 😉 Dann lieber gleich ein wenig entspannter und weniger machen und dafür gesund bleiben.

Ich wünsche Euch einen gesunden Herbst und Winter, alles Gute und herzliche Grüße

Eure Catrin Grobbin