Prioritäten setzen

In diesem Artikel geht es darum, wie du mit Hilfe einer Vierfeldermatrix deine Aufgaben in die richtige Reihenfolge bringen kannst. Es gibt dazu auch eine Podcast-Episode:

“Prioritätensetzung heißt, darüber zu entscheiden, welche Aufgaben erstrangig, zweitrangig und welche nachrangig zu behandeln sind” (vgl. SEIWERT, 2005, S. 41f.). Dies ist ein wichtiges Vorgehen, damit man am Ende des Tages nicht zwar viel aber das falsche gearbeitet hat. Häufig werden die Aufgaben, die einen persönlich weiter bringen, immer wieder nachrangig behandelt. Hierzu zählt bei vielen Menschen auch das eigene Studium.

ABC-Analyse / Eisenhower-Prinzip

Es ist ein hilfreiches Vorgehen, den anstehenden Aufgaben die Buchstaben A, B und C (sowie D) zuzuweisen (“ABC-Analyse”) (vgl. SEIWERT, 2005, S. 63). Es kann lohnend sein, seinen eigenen Tagesablauf einmal darauf hin zu analysieren, welche Aufgabentypen am häufigsten erledigt werden und welche häufig zurück stehen müssen. Die Prioritäten-Vergabe lässt sich noch mit den Attributen “dringend” und “nicht dringend” verknüpfen. Dann ergibt sich das folgende Schema. Es geht auf Dwight D. Eisenhower (1890 – 1969) zurück. Man kann es als (grobes) Entscheidungsraster verwenden, v.a. wenn schnell entschieden werden muss, welche Aufgaben zuerst bearbeitet werden sollten.

A-Aufgaben sind die wichtigsten Aufgaben und gleichzeitig dringend. Diese sollte man selbst und möglichst sofort in Angriff nehmen. Sie können nur von einem selbst erledigt werden, sind also nicht an jemand anderen delegierbar. Für die Erfüllung der ausgeübten Funktion (im Job) bzw. die eigenen Ziele sind sie von höchstem Wert. Hierzu gehören z.B. das Lernen für eine wichtige Prüfung, das Schreiben der Abschlussarbeit oder das prestigeträchtige Projekt bei der Arbeit, das zur Beförderung führen könnte.

B-Aufgaben sind durchschnittlich wichtig aber noch nicht dringend. Es können Aufgaben darunter sein, die teilweise delegierbar sind. Z.B. Korrekturlesen. Oder das Suchen neuer Ideen, das man am besten mit anderen Menschen gemeinsam erledigen kann. Es kann auch sinnvoll sein, jemanden zu beschäftigen, der die Interviews für die Abschlussarbeit abtippt, wenn ich selbst nicht so schnell tippen kann. Oder eine Putzhilfe, die regelmäßig zu Hause klar Schiff macht, während ich in dieser Zeit Geld verdiene. Manchmal kann man auch Aufgaben mit jemandem tauschen. Es muss nicht jeder alles selbst können.

C-Aufgaben sind die Aufgaben mit dem geringsten Wert für die eigenen Ziele. Leider haben sie meist den größten Anteil an der Menge der Arbeit (z.B. Routineaufgaben, Papierkram, Telefonieren, Haushalt usw.). Also Aufgaben, die für das Ziel, das man gerade vor Augen hat, nichts bringen, die sich aber “vordrängeln”. Hierunter zählen gerade in Studienabschlusszeiten häufig auch Gefallen für andere Menschen.

D-Aufgaben sind weder wichtig noch dringend. Sie sollten am besten direkt in den Papierkorb wandern. Einzige Einschränkung: Wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die einem Freude bereiten, sollten sie in die Kategorie “Belohnung” wechseln, weil sie eine angenehme Abwechslung bieten können (z.B. meinen Avatar im Computerspiel auf Level 100 bringen, meinen Garten verschönern usw.). Oder wenn du dich davon nicht trennen magst, such am besten jemand anderen, der die Sache für dich erledigt, und gib sie ab.

Tipp: Folgende Tagesplanung hat sich bewährt (vgl. SEIWERT, 2005, S. 43):
1 – 2 A-Prioritäten pro Tag einplanen (ca. 2 – 3 Stunden gesamt)
2 – 3 B-Aufgaben pro Tag einplanen (ca. 1 Stunde)
den Rest für C-Aufgaben (ca. 3-4 Stunde) reservieren

Achtung:

Manche B’s sind eigentlich A’s, sage ich in meinen Veranstaltungen häufig. D.h. sie sind noch nicht dringend, aber sehr wichtig für die eigenen Ziele. Wenn man zu lange wartet, werden sie dringend, deshalb sollte man sie rechtzeitig mit in die Planung aufnehmen.

Wenn ich mich selbständig machen will, ist die Akquise von neuen Kunden zu Beginn vielleicht noch nicht dringend. Es gibt viele andere Tätigkeiten, die zuerst meine Aufmerksamkeit fordern wie die Finanzierung, das Layout, die Erstellung meiner Homepage usw. Wenn ich aber nicht zu irgendeinem Punkt damit beginne, ein Angebot zu erstellen und es potentiellen KundInnen zu zeigen, werde ich langfristig keine Einnahmen generieren und mein Business kann nicht ins Laufen kommen.

Wenn mein Ziel ist, den Studienabschluss zu machen, dann ist das Schreiben einer entsprechenden Hausarbeit oder sogar der Abschlussarbeit auf jeden Fall wichtig. Wenn der Abgabetermin erst in einem halben Jahr ist, dann ist es erst mal noch nicht dringend. Aber wenn man lange genug wartet, wird die Aufgabe irgendwann dringend. Wenn der Abgabetermin nicht mehr lange hin ist, dann ist es wirklich dringend.

Und auch die klassische Steuererklärung ist sehr wichtig, aber eine lange Zeit noch nicht dringend, bis sie dann bei vielen in der Regel plötzlich sehr dringend wird.

Es macht bei solchen Aufgaben Sinn, etwas rechtzeitiger anzufangen und die Dringlichkeit selbst herzustellen, d.h. die Priorität auf A heraufzusetzen. Bereits Kunden zu haben und das Angebot dann entsprechend ihrer Bedarfe fertigzustellen oder zu entwickeln, ist mittlerweile sogar eine Empfehlung vieler Marketing-ExpertInnen. Und eine Abschlussarbeit für Studium oder Weiterbildung oder die Steuererklärung kann man im Zweifelsfalls auch vor dem offiziellen Termin abgeben, falls man sich verschätzt hat.

Das fühlt sich sogar sehr gut an und trägt zur persönlichen Entspannung bei.

Literatur:
Seiwert, L. (2005): Das neue 1 x 1 des Zeitmanagement. GU, München.

Bildquelle: canva.com

Weniger Prokrastination und entspanntes Zeitmanagement mit der Ivy Lee Methode

In diesem Beitrag stelle ich dir eine sehr einfache Methode vor, die viele noch gar nicht kennen. Mit dieser Methode kannst du ohne viel Aufwand eine gute Planung machen. Dadurch kannst du effizienter arbeiten, mehr schaffen und dadurch motivierter bist, weil du nicht so eine endlos lange To-Do-Liste hast, die am Ende des Tages fast genauso lang ist wie am Morgen.

Die Methode besteht aus 6 einfachen Schritten, die ich dir im folgenden Video der Reihe nach erkläre:

Falls du lieber liest, hier die Zusammenfassung:

  1. Du notierst dir die 6 wichtigsten Aufgaben für morgen, wenn du am Abend vorplanst (oder für heute wenn du jetzt sofort anfangen willst)
  2. Bring die Aufgaben in die richtige Reihenfolge. D.h. sortiere sie nach Priorität 1 – 6, Priorität 1 ist am wichtigsten. (Meinen Artikel über Prioritäten findest du hier.)
  3. Do it! Erledige Aufgabe 1. 🙂 Hier für kannst du alle Techniken nutzen, die du kennst, z.B. große Aufgaben unterteilen, Pomodoro-Technik, Umgang mit Emotionen zur Aufgabe,…
  4. Überprüfe die restlichen Prioritäten 2 – 6. Stimmt noch alles? Falls nicht, passe die Prioritäten an.
  5. Erledige Aufgabe 2, dann wiederhole Schritt 4 und geh danach die nächste Aufgabe an, bis alles erledigt oder der Tag vorbei ist.
  6. Erstelle eine neue Liste mit 6 Aufgaben für den nächsten Tag.

Soweit die “reine Lehre”. Wenn du mir schon ein bisschen folgst, weißt du, dass ich die “Queen des Anpassens und Abwandelns” bin. D.h. ich empfehle u.U. auch, die Methode auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. D.h. von mir aus könntest du dir auch nur 3 Aufgaben vornehmen.

Wichtig ist aber, dass du realistisch planst. 20 – 30 To-Do’s für einen Tag sind in der Regel nicht zu schaffen. Und sich ständig zu viel vorzunehmen und das nicht zu schaffen, wirkt sich negativ auf die eigene Motivation aus. Dann fühlst du dich, als hättest du “nichts geschafft” und bist unzufrieden mit dir selbst. Im Gegenteil dazu fühlt es sich einfach gut an und ist motivierend, wenn du dein Tagwerk abends geschafft hast. Dann kannst du guten Gewissens deinen Feierabend genießen.

Insofern ist die Ivy-Lee-Methode einerseits gut geeignet, um weniger aufzuschieben, weil du gleich morgens weißt, womit du starten willst und nicht zuerst überlegen musst, was zu tun ist. Es gibt also eine Ausrede weniger ;-). Und dadurch, dass die wichtigste Aufgabe zuerst dran kommt, umgehst du den Impuls, dich davor womöglich zu drücken, weil die Aufgabe in irgendeiner Form unangenehm ist.

Und andererseits führt die Methode zu mehr Entspannung, weil du abends deinen Erfolg siehst und v.a. die wichtigsten Aufgaben schon erledigt hast.

Zur Geschichte der Methode:

1918 suchte Charles M. Schwab, der Präsident des zweitgrößten Stahlunternehmens der damaligen Zeit, “Bethlehem Steel”, einen Weg zu mehr Produktivität und Effizienz im Unternehmen. Ivy Lee war damals ein Experte für Produktivität und Schwab fragte ihn “Wie könnten wir in der gleichen Zeit produktiver sein?”. Ivy Lee antwortete: “Um das zu beantworten, brauche ich 15 Minuten mit Ihnen und Ihren Führungskräften. Danach können Sie die Methode drei Monate lang ausprobieren. Anschließend können Sie mir das Bezahlen, was Sie für angemessen halten.” Er bekam 25.000 US Dollar. Das wäre auch heute für 15 Minuten schon ein guter Lohn, aber damals war es ungleich mehr Geld. Daran sieht man, dass die Methode erstaunlich gut funktioniert haben muss. (Sie wird manchmal auch 25.000 $-Methode genannt.)

Die Vorteile der Methode auf einen Blick:

  • Klarer Fokus auf wenige Aufgaben. Du weißt genau, was zu tun ist.
  • Klarheit: Klare Prioritäten. Es ist ganz klar, was zu tun ist.
  • Weniger “Selbst-Beschummeln”, d.h. du merkst, wenn du das weniger wichtige zuerst machst.
  • Effizienz: Das Ziel ist möglichst ungestörte Arbeit ohne Ablenkung. Dafür kannst du z.B. ergänzend die Pomodoro-Technik nutzen.
  • Schriftlicher Überblick über die Aufgaben.
  • Motivation durch Erfolgserlebnisse durch das Erledigen und Abhaken wirklich wichtiger Aufgaben.
  • Einfache Anwendung: Papier und Stift reicht.
  • Leichter Einstieg am Morgen.

Probier es am besten jetzt gleich aus und erstell dir deine erste Liste nach der Ivy-Lee-Methode. Schreib mir gern, wie es geklappt hat.

Ich wünsche dir einen schönen, angenehmen, produktiven Tag!

Herzliche Grüße

Deine Catrin

Wie ich meine 1000 Dinge organisiere und dabei entspannt bleibe

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich die “1000 Dinge”, die ich so tue, unter einen Hut und organisiert kriege, habe ich im Rahmen meiner CatrinTVLive-Reihe einmal erklärt und gezeigt, wie ich das mache.

Hier gibt es das ganze Video zu sehen (ab 3:31 Minuten geht es mit dem Thema los):

Und für die Eiligen hier die Zusammenfassung:

Meine “1000 Dinge” bestehen aus einer halben Stelle an der Universität Hamburg sowie einer halben Stelle, in der ich freiberuflich offline wie online Trainings und Coachings gebe. Nebenbei sitze ich noch an meiner Doktorarbeit und habe außerdem Familie, d.h. meinen Mann und meine kleine Tochter. Und in meiner Freizeit bin ich sehr gern kreativ tätig. D.h. ich habe viele verschiedene “Baustellen”.

Wie organisiere ich mich zeitlich? Ich benutze…

… meinen Kalender (tatsächlich ein echter, richtig zum Anfassen),

… einen Google-Kalender für Terminüberblick (damit auch mein Mann für Planungszwecke meine Termine jederzeit einsehen kann),

… mein Handy (Erinnerungsfunktion, Einkaufszettel als Foto oder Notizen, Ideen als Notizen),

… To-Do-Listen.

Welche Zeitmanagement-Techniken nutze ich?

Prioritäten setzen (dazu gibt es auch einen eigenen Beitrag auf dieser Seite)
Der Trick ist, die Aufgaben zu erledigen, wenn sie noch “B-Priorität” haben, d.h. zwar wichtig aber noch nicht dringend sind.

Flexibel bleiben – Möglichkeit zum Umplanen haben

Atmen! Vor allem, wenn ich merke, dass ich gerade gestresst bin.

Hilfreiche Fragen: Wie könnte es einfach gehen? Wer könnte mir helfen? Was könnte mir helfen? Wie könnte ich das einfacher machen?

Im Fluss arbeiten und nicht dagegen, d.h. ich suche aus den Aufgaben aus, wonach mir gerade am ehesten ist

den richtigen Zeitpunkt wählen, z.B. Denkaufgaben am Morgen, Routinetätigkeiten im Mittagstief,…

(Das Gewinnspiel, das auf Facebook stattgefunden hat, ist leider bereits beendet. 🙁 Aber es gibt immer mal wieder ein neues. Also bleibt dran! :-))

Der erste Schnee(Mann)

Vor ein paar Tagen hatten wir im Norden den ersten Schnee. Gerade ist es ein bisschen komisch, darüber zu schreiben, denn mittlerweile ist das Wetter schon wieder ganz anders und die weiße Pracht ist wieder komplett verschwunden. Aber der Artikel ist in meinem Kopf und möchte aufgeschrieben werden…

Ich hatte mich vorher schon auf den Tag gefreut, an dem unsere Tochter Schnee bewusst erleben würde. Sie hat zwar schon ein paar Mal Schnee gesehen (schon am Tag, als wir ganz am Anfang aus dem Krankenhaus kamen, schneite es dicke Flocken) und sogar schon in der Hand gehalten, aber ich vermute, dass sie sich daran nicht mehr erinnern kann. Nun, seit sie laufen kann, erlebt sie die Welt sowieso nochmal ganz anders und viel aktiver.

Als wir an besagtem verschneiten Morgen aus dem Haus sind, hatte ich versucht, extra ein bisschen Zeit einzuplanen, damit wir den Schnee gebührend würdigen und ausprobieren können. So ganz hatte mein Zeitplan nicht geklappt, aber ein bisschen Zeit war noch übrig. Allerdings war ihre Reaktion eher verhalten, sie schien den Schnee eher unheimlich zu finden. Kurz war ich enttäuscht. Aber dann habe ich versucht, mich in ihre Lage zu versetzen und fand, dass man das auch wirklich seltsam und beängstigend finden kann, wenn alles plötzlich anders aussieht, überall weißes Zeug, das beim Gehen komische Geräusche macht und an den Schuhen kleben bleibt… Und dann auch noch kalt ist! Den verschneiten Weihnachtsbaum vor dem Haus fand sie dann trotzdem schön, und so einigten wir uns auf eine gemischte Erfahrung und machten uns auf den Weg zur KiTa.

Am Abend im Dunkeln bauten einige Kinder mit dem Schnee auf dem Rasen gerade den ersten Schneemann. Unterwegs hatten wir schon einen ganz kleinen Schneemann auf einem Holzpfosten an der Straße gesehen. Jetzt sprang der Funke über, Töchterchen wollte unbedingt raus aus dem Kinderwagen und “Auch!”. 🙂 Also kriegte ich doch noch mein erstes gemeinsames schönes Schnee-Erlebnis! Als mein Mann nach ein paar Minuten dazu kam, wurde es noch schöner! Die ganze Familie im Schnee… Es fühlte sich an wie ein paar sehr schöne Kindheitserlebnisse, die lange zurückliegen.

Nachdem wir ein bisschen an dem einen Schneemann mitgebaut hatten, haben wir auch noch einen eigenen kleinen gemacht. Der war sehr klein und niedlich – und auch etwas gefährdet, denn die Nachbarjungs waren gerade dabei, einen anderen Schneemann, den sie gebaut hatten, genüsslich wieder in seine Einzelteile zu zerlegen… Also haben wir ihn kurzerhand mit rauf auf den Balkon genommen. Dort stand er, bis er nach einiger Schrumpfung mittlerweile wieder ganz verschwunden ist. Heute, ein paar Tage später hat unsere Kleine sein Verschwinden bemerkt und kurz bitterlich beklagt.

Ich freue mich schon auf den nächsten Schnee und den nächsten Schneemann! Wie toll, wenn man mit seinem eigenen Kind auch nochmal ein bisschen Kind spielen und etwas kindliche Begeisterung wieder ausgraben kann!

Euch auch tolle Wintererlebnisse!

Herzliche Grüße

Eure Catrin Grobbin

Teilzeitkrank – Es lebe der Kontrast!

Es ist nun schon ein paar Tage her, dass ich den letzten Beitrag veröffentlicht habe. Meine Leserinnen und Leser mögen es mir nachsehen. Der Grund hierfür war, dass ich mich seit gut vier Wochen mehr oder weniger mit einer hartnäckigen Erkältung herumschlage. Anders, als es z.B. Seppo in seinem gleichnamigen Blogartikel beschrieben hat, war ich die meiste Zeit ganz krank. Allerdings wissen die Eltern unter Euch, dass man als Mama (oder Papa) eigentlich nur noch teilzeitkrank sein kann. D.h. man muss mindestens eine gewisse Zeit des Tages in irgendeiner Form aktiv sein, um den Nachwuchs angemessen zu versorgen und zu betüddeln. Eine echte Herausforderung, und erst jetzt weiß ich nachträglich die Zeit zu schätzen, in der ich mich, wenn es mich erwischt hatte, einfach ein paar Tage und Nächte ins Bett gelegt und auskuriert habe…

Es wäre nicht dieser Blog, wenn ich jetzt beim Lamento stehen bliebe, denn es ist nicht meine Intention, mich hier in Gejammer zu ergehen. Vielmehr habe ich mich diese vier Wochen so gut ich konnte darin geübt, es als einen Kontrast zu sehen, und mich darauf zu freuen, wenn es alles wieder besser und leichter geht. Ich habe viel gelernt in diesen Wochen: wieder mehr Geduld, vor allem mit mir selbst. Termine abzusagen, von denen ich eigentlich gesagt hatte, sie wären unabsagbar und unverschiebbar. Weniger, viel weniger von mir selbst zu erwarten. Aushalten, dass es gerade ist, wie es ist. Insgesamt: langsamer machen!

Ich habe neulich in “Atempause” geschrieben, dass ich ein wenig viel gearbeitet hatte. Nun, jetzt weiß ich, dass es sich nicht nur viel anfühlte, sondern dass es auch zuviel war. Eine Bestätigung, ein Lernerfolg. Immer noch bin ich dabei, auszuloten, was mit einem Kind anders ist. Das machbare Arbeitspensum ist auf jeden Fall geringer, jedenfalls für mich. Die vielgerühmte “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” ist aus meiner Sicht auf jeden Fall ein Balanceakt, bei dem es auch darum geht, zu entscheiden, wo man welche Abstriche macht. Entweder man lässt das Kind rund um die Uhr fremdbetreuen – oder man muss weniger arbeiten. Und wie eine andere Mutter dieses Jahr am Sandkasten sagte: “Ich habe die Kinder ja bekommen, um mit ihnen Zeit zu verbringen, und nicht um sie in noch eine Betreuung zu geben und in noch eine”…

Nun zum zweiten Teil der Überschrift: dem Kontrast. Jetzt habe ich die Erkältung fast überstanden, Donnerstag gehe ich wieder arbeiten und freue mich sogar schon (fast) darauf. Und es fühlte sich wirklich gut an, das erste Mal wieder einkaufen gehen zu können, das erste Mal mit Spaß einen Bauklotzturm zu bauen, das erste Mal wieder mit rausgehen und die Schaukel anschubsen zu können! Ich wertschätze gerade jeden kleinen Schritt, der wieder besser geht! Und gleichzeitig wertschätze ich auch die Signale meines Körpers, die mir sagen, dass ich die letzten Tage der Rekonvaleszenz (und vielleicht auch noch etwas länger) noch ein wenig langsam machen sollte, dass ich nicht gleich zuviel erwarten sollte, wenn ich z.B. nach dem In-die-KiTa-bringen schon wieder erschöpft bin und meine Ruhe haben will. Eine gute Erinnerung daran, dass vieles, an das ich normalerweise so sehr gewöhnt bin, nicht selbstverständlich ist. Dass das reibungslose Funktionieren meines Körpers und das Energielevel, den ich im Alltag gewöhnt sind, alles andere als selbstverständlich sondern eher ein Grund zum täglichen Feiern ist.

In diesem Sinne: Hoch die Teetassen! Genießt mit mir den wunderbaren Alltag und alle gemeisterten Herausforderungen – und lasst uns ab und zu daran denken, immer mal wieder innezuhalten und langsamer zu machen. Denn auch wenn es ein schöner Kontrast ist, zu oft muss ich auch nicht krank im Bett liegen. 😉 Dann lieber gleich ein wenig entspannter und weniger machen und dafür gesund bleiben.

Ich wünsche Euch einen gesunden Herbst und Winter, alles Gute und herzliche Grüße

Eure Catrin Grobbin

Wann hast du das letzte Mal in Ruhe gegessen?

Wann hast du das letzte Mal so richtig in Ruhe gegessen? Langsam und genussvoll und nicht nebenbei oder schnell schnell?

Ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr so ganz genau. Ich will jetzt nicht groß darauf herumreiten, dass mit Kindern alles anders wird, aber es stimmt tatsächlich. Der Umstand, dass ich kaum noch dazu komme, selbst in Ruhe zu essen, wenn ich mit meiner Tochter zusammen bin, ist eine der Veränderungen, die mir manchmal wirklich zu schaffen machen. Wenn sie da ist, muss sie entweder selbst essen, dann esse ich so nebenbei, oder sie ist schon satt und möchte spielen, dann muss ich entweder rumdiskutieren, oder ich esse ganz schnell auf, um dann verfügbar zu sein. Und in den letzten Wochen war bei der Arbeit soviel zu tun, dass ich – so wie ich in meinen Entspannungsseminaren niemandem raten würde! – an meinem Schreibtisch neben der Arbeit gegessen habe, um keine Zeit zu verlieren.

Aber nun habe ich mir vorgenommen, das mal wieder zu ändern und langsamer oder mindestens in Ruhe zu essen!

Ein Nebeneffekt langsameren Essens ist, dass man dabei auch noch weniger isst, weil das Signal des Magens, dass das Hungergefühl weg ist, einige Minuten braucht, um anzukommen. Wenn man zu schnell ist, isst man darüber hinweg, d.h. zuviel. Als Ergebnis hat man nicht nur mehr Kalorien zu sich genommen, sondern fühlt sich hinterher oft überfüllt und schlapp. Im Gegensatz dazu fühle ich mich angenehm gesättigt und befriedigt, wenn es mir gelingt, in Ruhe zu essen und im richtigen Moment aufzuhören. Das gilt für die Hauptspeise genauso wie für den Nachtisch. Auch bei dem lange ich im Moment manchmal ordentlich zu, um damit gegen aufkommende Frustgefühle oder das Gefühl des Zu-wenig-bekommens anzugehen. Keine gute Strategie.

Ab sofort versuche ich, mindestens eine Mahlzeit am Tag wieder bewusster wahrzunehmen und so gut es geht in Ruhe einzunehmen. D.h. gemäß Achtsamkeitsübungen das Essen mit allen Sinnen wahrnehmen, erst anschauen und riechen, dann jeden Bissen langsam kauen und schmecken, anstatt einfach alles reinzuschaufeln und herunterzuschlucken. Ein Trick, um das Tempo zu reduzieren, ist es, nach jedem Bissen das Besteck abzulegen, anstatt es gleich mit der nächsten Portion vollzuladen. Ich bin gespannt, ob und wie oft ich das durchhalte. 🙂

Als kleine Motivation und Anregung habe ich ein kleines Video mitgebracht, zu einem wirklich laaaangsaaaamen Mahl:

Falls Du auch dazu neigst, zu schnell zu essen, lade ich dich herzlich ein, mein Experiment mitzumachen und es ein paar Tage langsamer zu versuchen. Mal sehen, wie es bei uns läuft.

Herzliche Grüße

Catrin Grobbin

Entspannte Malstunde

Was macht man bei Langeweile und Regen mit dem Kind? Irgendwas Spannendes drinnen natürlich. Heute habe ich deshalb mit meiner Tochter eine kleine Malstunde veranstaltet. Papier raus, neue Wachsmaler auspacken und los geht’s:

Zuerst war die ganz Feuer und Flamme, aber bald fand sie Wachsmalerweitwurf weit interessanter als das Kritzeln auf Papier… Ich allerdings war ganz angetan davon, endlich mal wieder ein bisschen kreativ zu sein und habe ein paar Farben aufgeklaubt, und mein Bild zu Ende gemalt. Ohne künstlerischen Anspruch, einfach nur, weil es mir Spaß macht. Das Motiv habe ich auch passend zur Kindermalstunde gewählt, vielleicht hängen wir es ins Kinderzimmer:

Das Ergebnis für mich ist auf jeden Fall, dass ich ab jetzt wieder öfter zu Papier und Farben greifen möchte, um mit irgendeiner Zeichen- oder Maltechnik zu entspannen. Denn genau diesen Effekt hatte das Malen des Bildes für mich. Es hat mich richtig glücklich gemacht!

Techniken gibt es – auch für Ungeübte – ja jede Menge. Sei es das Ausmalen von Bildern oder Mandalas, Malen nach Zahlen, abstrakte Kritzelei, Zeichnen oder richtige Malerei, jede und jeder, der Lust hat, kann einfach so zum Spaß malen.  Nicht umsonst gibt es immer mehr Malbücher für Erwachsene zur Entspannung.

Auch in meinen Entspannungsseminaren mache ich diese Erfahrung: Viele (natürlich nicht alle) erinnern sich bei unseren Zendoodle-Übungen, wie sehr sie früher in der Schulzeit durch kleine Malereien entspannt haben. Keine Ahnung, was Zendoodle ist? Das ist eine “Meditationsform mit dem Stift”, sie wird auch Zentangle genannt. Hier ist ein Beispiel:

Diese Technik geht so, dass man sich ursprünglich ein Quadrat zeichnet (ich würde mit einem viel, viel kleineren anfangen als das im Video, es kann sonst sehr lange dauern, alle Felder voll zu kriegen, und nicht fertig zu werden ist für viele NICHT entspannend!

Richtige Künstler nehmen auch andere Grundformen wie Eulen, Blumen, Kreise usw…

Vielleicht habe ich ja jetzt einigen Appetit gemacht, mal wieder die Federtasche oder den Tuschkasten rauszukramen und einfach loszulegen. Das würde mich freuen! Ich werde euch über meine weiteren Erlebnisse diesbezüglich auf dem Laufenden halten. 🙂

Herzliche kunstvolle Grüße

Catrin Grobbin

Atempausen in stressigen Zeiten

Im Moment arbeite ich sehr viel. Ein bisschen zuviel vielleicht sogar. Da passt das Thema Verlangsamung eigentlich gar nicht hinein. Eher schneller, schneller, dies noch, das noch…

Vielleicht kennst Du auch solche Phasen, in denen sich vieles aufgetürmt hat und Du beim Abarbeiten denkst “Wer hat das zeitlich eigentlich so geplant?!” Und wenn Du dann endlich einen freien Tag in Aussicht hast, winkt die dringend zu erledigende Steuererklärung…

Aber es ist ja normal im Leben, dass es auch solche Phasen immer mal wieder gibt. Aus meiner Sicht besteht die Kunst daran, diese gut zu überstehen, und auch daraus zu lernen, wie es beim nächsten Mal vielleicht wieder etwas ruhiger und langsamer geht. Versteht mich nicht falsch, es macht auch wirklich Spaß, viel zu schaffen und ich habe große Freude an meinem Beruf! Aber manchmal ist es eben doch ein bisschen zuviel auf einmal. Jedenfalls habe ich mir inmitten dieser Phase, die jetzt noch ca. 2 Wochen lang dauern wird, schon einiges vorgenommen, damit es sich nicht so schnell wieder so sehr stapelt:

  1. Steuererklärung früher anfangen 🙂 Wobei wir noch nie so früh und auch so schnell waren wie dieses Mal. Liebes Finanzamt: Wir haben es doch noch geschafft und die Erklärung liegt jetzt in Ihrem Briefkasten! Vielleicht doch ganz gut, wenn es mal keine Fristverlängerung gibt. Eigentlich passt das Thema ja nie…
  2. Kein neues Seminar mehr ins Vorlesungsverzeichnis schreiben, BEVOR ich es ausgearbeitet habe. Mit Kind kann ich einfach keine “entspannten” Überstunden mehr machen…
  3. Das Atmen nicht vergessen!
  4. Und auch mal wieder lächeln!

Über die letzten zwei Punkte möchte ich noch ein paar Worte verlieren: Wenn mein Leben mir zu schnell wird, beobachte ich mich häufig dabei, wie ich regelrecht atemlos werde. Ich fühle mich dann oft sehr gehetzt, selbst, wenn es nicht in jedem Augenblick so eilig zugehen müsste. Aber die Gesamtarbeitslast drückt mich dann so sehr, dass ich fast vergesse, Luft zu holen. Dann muss ich mich immer mal wieder daran erinnern, mal wieder tief ein- und auch wieder auszuatmen. Falls es Dir auch gerade so geht, gleich mal ausprobieren:

tief EINATMEN

PAUSE

ganz AUSATMEN

Gut, oder? Und gleich nochmal!

EIN

PAUSE

AUS

Sehr schön!

Und zum Lächeln: Mir wird nachgesagt, dass ich ein wenig den Charme verliere, wenn es zu hoch her geht. Und ich muss zugeben, da ist ein Körnchen Wahrheit dran. Wenn nur noch Arbeit in der Luft liegt, vergesse ich manchmal, die Freude am Leben zu zelebrieren. Das kann für mein Umfeld, allen voran mein liebster Gatte, ziemlich anstrengend werden – vor allem, wenn wir dabei auch noch die Steuererklärung machen müssen, grrr…

Mein Liebster, hiermit entschuldige ich mich öffentlich in aller Form für jede Minute schlechter Stimmung in den letzten Wochen und gelobe feierlich Besserung! Ich hab Dich lieb und werde mich ab jetzt wieder mehr auf die Schönheit des Lebens und vor allem unseres Zusammenlebens besinnen! Küsschen!

Jetzt halte ich noch zwei Wochen durch und freue mich ansonsten schon sehr auf unsere längere Atempause im Urlaub! Und vielleicht kann ich den einen Leser oder die andere Leserin ja auch inspirieren, gerade jetzt zum Beginn der Herbstzeit und dem dräuenden Jahresende ab und zu wieder einmal tief durchzuatmen und einmal mehr zu lächeln, auch wenn es viel zu tun gibt…

Herzliche Grüße

Catrin Grobbin

Eltern im Sandkasten

Bevor es endgültig Herbst wird – und anscheinend ist das bald der Fall – möchte ich endlich diesen Artikel schreiben, den ich nun schon seit einigen Monaten im Kopf habe.

Durch unsere Tochter haben wir ja nun das Vergnügen, die Nachmittage auf dem Spielplatz zu verbringen. Dies ist eine ganz neue Erfahrung. Zeitweise finde ich diese Betätigung ein wenig anstrengend, vor allem, wenn ich selbst eigentlich lieber etwas anderes täte, als zwischen Schaukel, Rutsche und Sandkasten hin- und herzuwandern. Andererseits, wenn ich mich ganz auf die Erfahrung einlassen kann, ist es aber sehr schön, draußen zu sein, die Kinder zu beobachten und – Sandburgen und Sandkuchen zu bauen! Das habe ich so lange nicht mehr gemacht, dass ich mich überhaupt nicht mehr daran erinnern kann. Ist das nicht toll? Mit dem eigenen Kind nochmal eine Zeitreise machen und sich an das Gefühl erinnern, als es überhaupt kein Thema war, Sand auf den Klamotten und an den Händen zu haben, sondern als der eigene Fokus nur auf dem Tun lag? Oder eben jetzt wieder liegt. Wie schön! Das könnte man auch als Achtsamkeitsübung anbieten. Alles, was man braucht, ist ein Eimer Sand und ein paar Förmchen, vielleicht noch eine kleine Schaufel, und los geht’s. Auch die anderen Eltern, die mit ihren Kindern um uns herum im Sand sitzen, bauen teilweise mit erstaunlichem Engagement. Als mir die Idee zu diesem Artikel kam, hatte ich unsere Schaufel gerade einem Vater ausgeliehen, der unbedingt den Tunnel neu bauen musste, der seit dem Vortag durch unerklärliche Umstände zerstört worden war. Und das nicht, weil seine Kinder das wollten, sondern völlig aus eigenem Antrieb, wie mir schien. 😉

Das Einzige, was der Idee einer Achtsamkeitsübung beim Bauen im Wege stehen könnte, ist vielleicht der Zerstörungstrieb der lieben Kleinen, der irgendwie angeboren scheint. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die Bilder für diese Seite fotografiert hatte, denn immer ,wenn ich etwas gebaut hatte, kamen flugs kleine Hände oder Füße und haben es dem Erdboden wieder gleich gemacht… Aber wenn ich es genau betrachte, ist auch das eine gute Übung – im Loslassen und Nicht-so-ernst-nehmen…

Jedenfalls würde ich dir und euch empfehlen, die Verlangsamung im Sandkasten auch einmal auszuprobieren. Entweder mit eigenen Kindern, oder mit ausgeliehenen, oder womöglich sogar ganz ohne. Ganz schnell noch, bevor irgendwann Winter ist. Aber auch dann fällt uns sicher was Schönes ein, mit dem wir die achtsame kindliche Perspektive weiter reaktivieren können. Ich bin schon sehr gespannt und werde berichten.

Herzliche Grüße

Catrin Grobbin

“Slow Life Challenge”

Ende April hat eine sehr gute Freundin zu einer 30-Tage-Challenge eingeladen: Slow Down. Enjoy Life. Sie hatte dafür einen Abreißkalender, auf dem es 30 verschiedene Anregungen für Verlangsamung gab. Eine total schöne Idee, fand ich, und ließ mir sehr gern von Ihr jeweils die Aufgabe per WhatsApp schicken. Wie sie berichtet hat, blieb ich nicht die einzige, mit der Zeit hatte sie eine richtige “Slow life-Gruppe”, die sie jeden Morgen mit einer neuen Verlangsamungsidee versorgte.

Es fing ganz gemütlich an: Take a deep breath, and repeat. Leichte Übung, gute Erinnerung, das gefiel mir schonmal sehr gut. Die Übung des nächsten Tages war schon etwas kniffliger “Have an Acai Bowl for Breakfast.” Dieses Frühstück war uns bisher nicht bekannt und die Zutaten hatten wir auch nicht zur Hand. Aber eine andere leckere Alternative geht ja auch, beschlossen wir. Es sollte ja schließlich kein Stress werden.

Die Aufgabe des dritten Tages war wieder ganz nach meinem Geschmack: Take a 20 Min Nap. Und tatsächlich schaffte ich es an diesem Tag, ein Nickerchen einzulegen, das schaffe ich längst nicht jeden Tag, Aufgabe erfüllt, check. Und sehr weiterzuempfehlen.

Weitere folgende Aufgaben, ein Bild auszumalen sowie ein Buch zu beginnen, musste ich überspringen bzw. stark abwandeln, soviel Zeit stand mir nicht zur Verfügung. Als berufstätige Mutter fand ich die Challenge an solchen Tagen ein wenig frustrierend. Spätestens da habe ich beschlossen, die Aufgaben nicht in genau der Reihenfolge zu versuchen und auch zu variieren oder zu ersetzen, wenn es nicht passt. Sonst wäre es keine schöne Sache für mich gewesen. So hatte ich die Aufgabe “kümmere dich um deine Pflanzen” aus meiner Sicht schon beim Aussähen meiner kleinen Gemüsepflänzchen erledigt (siehe eigener Artikel, sie leben jetzt allerdings auf meinem Balkon und bei einer anderen Freundin im Garten), ließ das Schreiben eines Tagebuchs weg (bzw. mache jetzt etwas ähnliches), und zum Scrapbooken hatte ich keine Lust. Über die Aufgaben, ein altes Möbelstück zu restaurieren oder den ganzen Tag im Bett zu bleiben, musste ich lauthals lachen – und habe dann stattdessen einfach auf dem Weg zur KiTa den Vögeln zugehört oder eine Runde aus dem Fenster geguckt. Darin besteht in meinen Augen auch eine Herausforderung: sich etwas vorzunehmen, um sich etwas Gutes zu tun, ohne daraus ein Dogma zu machen. Dabei bleiben, aber es so in den Alltag einbauen, dass es stressfrei möglich ist. Das gilt für mich auch für andere Projekte, wie Entspannungsübungen, Meditation, Bewegung. Wenn die tägliche “Entspannungs-Routine” mir Stress macht, läuft irgendetwas daran falsch.

Erstaunlicherweise ist mir aber aufgefallen, dass ich viele Aspekte, die in dieser Challenge angeregt werden, tatsächlich schon in mein Leben eingebaut habe, und das hat mich sehr gefreut. Ich habe wie gesagt schon Pflanzen gepflanzt, male ab und zu ein Bildchen, gucke in die Wolken, genieße bewusst mein Essen oder achte auf meinen Atem. Insofern war es für mich an vielen Stellen eine Erinnerung oder auch eine Bestätigung, dass ich schon in die Richtung unterwegs bin, die mir vorschwebt.

Darüber hinaus habe ich sehr den morgendlichen Kontakt genossen, das Sich-einmal-am-Tag-etwas-Nettes-schreiben. Das wird mir fehlen, bzw. vielleicht können wir ja ein bisschen davon beibehalten, auch wenn wir beide sehr busy sind? Ich bin gespannt, ob mir und uns das gelingt, auch ohne “Anlass”. Klingt auch nach einer kleinen Herausforderung.

Wenn ich so eine Aufgabensammlung herausbrächte, dann mit Kärtchen zum herauspicken und nicht mit einer festen Reihenfolge. Das fände ich schön, mir einfach immer heraussuchen, was gerade passt. Auch wären darin noch mehr kleine Anregungen enthalten und nicht so viele große Aufgaben, denn für diese braucht man wirklich die entsprechenden Zeitfenster. Auf die freue ich mich schon, wenn unsere Tochter größer ist, aber im Moment ist vieles einfach nicht so einfach machbar, und ich habe den Eindruck, dass das noch mehr Leuten so geht, selbst denen ohne Kinder. Vielleicht könnte man auch eine “Alltags-Challenge” und eine “Urlaubs-Challenge” draus machen? Vielleicht mache ich das irgendwann sogar mal. Oder meine Freundin. 🙂

Als Anregung was es auf jeden Fall eine sehr schöne Sache. Überleg mal, was könnte denn eine Verlangsamungsaufgabe für dich sein? Was tut dir gut und was davon hast du lange nicht mehr gemacht? Oder was könntest du dir ruhig öfter gönnen? Atmen oder in die Wolken gucken passt ja eigentlich immer mal zwischendurch. Oder bewusst essen. Ich wünsche dir viel Spaß und Entspannung dabei, auch in einem vollen Terminkalender.

In diesem Sinne: Immer schön langsam! Das ist die Challenge.

Catrin Grobbin

PS: Übrigens war ich ziemlich überrascht, dass schon wieder 30 Tage um sind… Auch das wieder eine schöne Anregung, immer mal wieder zu verlangsamen, die Zeit verrinnt ohnehin schon so schnell.