Just keep swimming – einfach dranbleiben

Wie du bei großen, langwierigen Projekten dranbleibst, ohne dich selbst fertigzumachen – das ‚Just keep swimming‘-Prinzip gegen Prokrastination und für mehr Umsetzung.

Ein Satz, der mich seit Jahren begleitet

„Just keep swimming, just keep swimming.“ Kennst du den Satz? Er stammt aus dem Film „Findet Nemo“ – Dorie singt ihn sich vor, wenn die Angst zu groß wird und der Weg zu weit erscheint. Einfach schwimmen. Nicht nachdenken, wie lang es noch dauert. Nicht nachdenken, wie mühsam es ist. Einfach weiterschwimmen.

Ich sage diesen Satz seit Jahren in Coachings und Seminaren, und ich sage ihn mir auch selbst. Denn er trifft ziemlich genau das, was Dranbleiben bei einem großen Projekt bedeutet: nicht (nur) die große Distanz im Blick haben, sondern einen Zug nach dem anderen machen.

Warum Dranbleiben bei Langzeitprojekten so schwerfällt

Ich schreibe seit geraumer Zeit an meiner Doktorarbeit. Mit vielen Pausen, ausgelöst durch Lebensereignisse, Weltereignisse und alles, was das Leben eben so bereithält. Aufgegeben habe ich das Projekt nie – aber dranbleiben, das war und ist nicht immer leicht.

Vielleicht kennst du das von deinen eigenen Langzeitprojekten: der Dachboden, der endlich aufgeräumt werden soll. Der Körper, dem du wieder mehr Aufmerksamkeit schenken willst. Die Gesundheitsbaustelle, die nicht akut, aber eben doch lästig ist. Bei all diesen Vorhaben gibt es kein festes Ende nach x Stunden oder Tagen. Es sind Langzeitdinger. Und wenn du nach einer Pause wieder einsteigst, fühlt es sich an, als hättest du alles vergessen – dabei ist es nur weit nach hinten gerutscht.

Genau hier setzt bei vielen die Prokrastination ein: Die Aufgabe fühlt sich so groß und diffus an, dass Aufschieben leichter erscheint als Anfangen.

(Den Inhalt dieses Artikels gibt es auch als Podcast-Folge: https://youtu.be/9bJw7qabquI)

Der erste Schritt: Dich vom Haken lassen

Bevor du wieder ins Tun kommst, kommt ein Schritt, der oft übersprungen wird: dich selbst vom Haken zu lassen. Nicht wie ein Fisch zappeln, wie peinlich es doch sei, dass es so lange gedauert hat, wie unfähig du dich fühlst. Sondern anzuerkennen: Es war, wie es war. Es gab gute Gründe – Corona, eine Geburt, Überforderung, echte höhere Gewalt. Und dann geht es in Akzeptanz statt in Selbstvorwürfe.

Das ist ein zentraler Baustein für gutes Selbstmanagement: Nicht die Energie in Scham stecken, sondern sie für den nächsten Schritt aufheben.

Ins kalte Wasser – und dann einfach los

Der zweite Schritt: wieder ins Wasser gehen. Die Datei öffnen. Die Tür zum Zimmer aufschließen. Die Sportsachen rauslegen. Den Termin beim Arzt machen. Der erste Schwimmzug fühlt sich fast immer kalt an. Aber dann kommt der nächste. Und der nächste.

Das ist der Kern von „Just keep swimming“: Nicht groß darüber nachdenken, wie lange es noch dauert oder wie ätzend die Unterbrechungen waren. Einfach weitermachen. Ein Zug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.

Damit das gelingt, gehört für mich immer auch Priorisieren dazu. Wenn deine To-Do-Liste so aussieht wie meine – gleich mehrere Listen an mehreren Orten – dann brauchst du bewusst Raum für das eine große Projekt, das nicht am Überleben hängt, aber eben doch wichtig ist. Sonst geht es im Alltag schnell unter.

Ein Termin, der dich in Schwung bringt

Was mir zusätzlich enorm hilft: ein Termin, der Druck und Motivation gleichzeitig erzeugt. Bei mir sind das gerade zwei runde Anlässe in diesem Jahr – mein 30-jähriges Abitreffen und mein 50. Geburtstag. Die Idee dahinter ist eigentlich ein bisschen albern, denn eine Null im Kalender verändert objektiv gar nichts. Trotzdem hängen wir Menschen emotional an solchen Terminen, und genau das kannst du für dich nutzen.

Setz dir also einen Termin, der dich in Fahrt bringt – fast egal, ob du ihn am Ende wirklich hältst. Wichtig ist, dass du ihn ernsthaft anpeilst. Das bringt Struktur ins Selbstmanagement und macht aus einem vagen „irgendwann“ ein konkretes Ziel.

Dranbleiben statt auf den Kopf hauen

Beim Schwimmen brauchst du beide Hände, um voranzukommen. Für Selbstkritik ist da schlicht keine frei. Genau so ist es beim Dranbleiben an einem Projekt: Wenn du dir ständig vorwirfst, wie lange es schon dauert oder wie viele Unterbrechungen es gab, kostet dich das Kraft, die du fürs Weitermachen brauchst.

Deshalb: Schwamm drüber (passt ja auch zur Wassermetapher) – und einfach weiterschwimmen.

Und wenn du es geschafft hast: Feiere dich

Wenn du dein Projekt – nach wie vielen Anläufen und Unterbrechungen auch immer – endlich abgeschlossen hast, dann gönn dir eine richtige Feier. Mit allem, was für dich dazugehört. Das ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Teil der Motivation für das nächste große Vorhaben.

Just keep swimming – die Zusammenfassung

Wenn du gerade an einem Projekt dranbleiben willst, das sich zieht:

  1. Entscheide bewusst: Willst du es wirklich noch machen? Ist es dir wichtig?
  2. Wenn ja: Setz dir Priorität und schaff dir feste Zeitfenster.
  3. Geh ins Wasser und mach den ersten Schwimmzug – ohne großes Nachdenken.
  4. Setz dir einen Termin, der dich in Schwung bringt.
  5. Hau dir nicht auf den Kopf – dafür hast du keine Hand frei.
  6. Bleib dran. Ein Zug nach dem anderen.
  7. Und wenn du es geschafft hast: Feiere es.

Gerade im Frühling, wenn die Energie draußen und in uns wieder steigt, ist ein guter Moment, um mit den Dingen weiterzukommen, die dir wichtig sind. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg dabei – und falls du dabei Unterstützung brauchst, schau gern in meine Online-Kurse rund um weniger Aufschieben und mehr Umsetzung.

Bis dahin: Just keep swimming. Ich schwimme mit dir mit – aktuell zurück an meine Doktorarbeit.

Update: Ich bin bald 51 und die Doktorarbeit ist noch immer im Werden. Es gab neue Aufgaben zur Überarbeitung und andere Dinge. Aber das macht nichts. Hauptsache, ich bin immer noch dran, Schwimmzug für Schwimmzug. Noch 1,5 Kapitel und dann „bügeln“. 🙂

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