Wie du bei großen, langwierigen Projekten dranbleibst, ohne dich selbst fertigzumachen – das ‚Just keep swimming‘-Prinzip gegen Prokrastination und für mehr Umsetzung.
„Just keep swimming, just keep swimming.“ Kennst du den Satz? Er stammt aus dem Film „Findet Nemo“ – Dorie singt ihn sich vor, wenn die Angst zu groß wird und der Weg zu weit erscheint. Einfach schwimmen. Nicht nachdenken, wie lang es noch dauert. Nicht nachdenken, wie mühsam es ist. Einfach weiterschwimmen.
Ich sage diesen Satz seit Jahren in Coachings und Seminaren, und ich sage ihn mir auch selbst. Denn er trifft ziemlich genau das, was Dranbleiben bei einem großen Projekt bedeutet: nicht (nur) die große Distanz im Blick haben, sondern einen Zug nach dem anderen machen.
Warum Dranbleiben bei Langzeitprojekten so schwerfällt
Ich schreibe seit geraumer Zeit an meiner Doktorarbeit. Mit vielen Pausen, ausgelöst durch Lebensereignisse, Weltereignisse und alles, was das Leben eben so bereithält. Aufgegeben habe ich das Projekt nie – aber dranbleiben, das war und ist nicht immer leicht.
Vielleicht kennst du das von deinen eigenen Langzeitprojekten: der Dachboden, der endlich aufgeräumt werden soll. Der Körper, dem du wieder mehr Aufmerksamkeit schenken willst. Die Gesundheitsbaustelle, die nicht akut, aber eben doch lästig ist. Bei all diesen Vorhaben gibt es kein festes Ende nach x Stunden oder Tagen. Es sind Langzeitdinger. Und wenn du nach einer Pause wieder einsteigst, fühlt es sich an, als hättest du alles vergessen – dabei ist es nur weit nach hinten gerutscht.
Genau hier setzt bei vielen die Prokrastination ein: Die Aufgabe fühlt sich so groß und diffus an, dass Aufschieben leichter erscheint als Anfangen.
Bevor du wieder ins Tun kommst, kommt ein Schritt, der oft übersprungen wird: dich selbst vom Haken zu lassen. Nicht wie ein Fisch zappeln, wie peinlich es doch sei, dass es so lange gedauert hat, wie unfähig du dich fühlst. Sondern anzuerkennen: Es war, wie es war. Es gab gute Gründe – Corona, eine Geburt, Überforderung, echte höhere Gewalt. Und dann geht es in Akzeptanz statt in Selbstvorwürfe.
Das ist ein zentraler Baustein für gutes Selbstmanagement: Nicht die Energie in Scham stecken, sondern sie für den nächsten Schritt aufheben.
Ins kalte Wasser – und dann einfach los
Der zweite Schritt: wieder ins Wasser gehen. Die Datei öffnen. Die Tür zum Zimmer aufschließen. Die Sportsachen rauslegen. Den Termin beim Arzt machen. Der erste Schwimmzug fühlt sich fast immer kalt an. Aber dann kommt der nächste. Und der nächste.
Das ist der Kern von „Just keep swimming“: Nicht groß darüber nachdenken, wie lange es noch dauert oder wie ätzend die Unterbrechungen waren. Einfach weitermachen. Ein Zug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.
Damit das gelingt, gehört für mich immer auch Priorisieren dazu. Wenn deine To-Do-Liste so aussieht wie meine – gleich mehrere Listen an mehreren Orten – dann brauchst du bewusst Raum für das eine große Projekt, das nicht am Überleben hängt, aber eben doch wichtig ist. Sonst geht es im Alltag schnell unter.
Ein Termin, der dich in Schwung bringt
Was mir zusätzlich enorm hilft: ein Termin, der Druck und Motivation gleichzeitig erzeugt. Bei mir sind das gerade zwei runde Anlässe in diesem Jahr – mein 30-jähriges Abitreffen und mein 50. Geburtstag. Die Idee dahinter ist eigentlich ein bisschen albern, denn eine Null im Kalender verändert objektiv gar nichts. Trotzdem hängen wir Menschen emotional an solchen Terminen, und genau das kannst du für dich nutzen.
Setz dir also einen Termin, der dich in Fahrt bringt – fast egal, ob du ihn am Ende wirklich hältst. Wichtig ist, dass du ihn ernsthaft anpeilst. Das bringt Struktur ins Selbstmanagement und macht aus einem vagen „irgendwann“ ein konkretes Ziel.
Dranbleiben statt auf den Kopf hauen
Beim Schwimmen brauchst du beide Hände, um voranzukommen. Für Selbstkritik ist da schlicht keine frei. Genau so ist es beim Dranbleiben an einem Projekt: Wenn du dir ständig vorwirfst, wie lange es schon dauert oder wie viele Unterbrechungen es gab, kostet dich das Kraft, die du fürs Weitermachen brauchst.
Deshalb: Schwamm drüber (passt ja auch zur Wassermetapher) – und einfach weiterschwimmen.
Und wenn du es geschafft hast: Feiere dich
Wenn du dein Projekt – nach wie vielen Anläufen und Unterbrechungen auch immer – endlich abgeschlossen hast, dann gönn dir eine richtige Feier. Mit allem, was für dich dazugehört. Das ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Teil der Motivation für das nächste große Vorhaben.
Just keep swimming – die Zusammenfassung
Wenn du gerade an einem Projekt dranbleiben willst, das sich zieht:
Entscheide bewusst: Willst du es wirklich noch machen? Ist es dir wichtig?
Wenn ja: Setz dir Priorität und schaff dir feste Zeitfenster.
Geh ins Wasser und mach den ersten Schwimmzug – ohne großes Nachdenken.
Setz dir einen Termin, der dich in Schwung bringt.
Hau dir nicht auf den Kopf – dafür hast du keine Hand frei.
Bleib dran. Ein Zug nach dem anderen.
Und wenn du es geschafft hast: Feiere es.
Gerade im Frühling, wenn die Energie draußen und in uns wieder steigt, ist ein guter Moment, um mit den Dingen weiterzukommen, die dir wichtig sind. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg dabei – und falls du dabei Unterstützung brauchst, schau gern in meine Online-Kurse rund um weniger Aufschieben und mehr Umsetzung.
Bis dahin: Just keep swimming. Ich schwimme mit dir mit – aktuell zurück an meine Doktorarbeit.
Update: Ich bin bald 51 und die Doktorarbeit ist noch immer im Werden. Es gab neue Aufgaben zur Überarbeitung und andere Dinge. Aber das macht nichts. Hauptsache, ich bin immer noch dran, Schwimmzug für Schwimmzug. Noch 1,5 Kapitel und dann „bügeln“. 🙂
Du hast dir etwas vorgenommen für dieses Jahr – und trotzdem kommt du einfach nicht so richtig in die Gänge? Du bist nicht allein. Gerade jetzt, im Januar, Februar und März, kämpfen viele Menschen damit, ihre guten Vorsätze wirklich umzusetzen. Und das hat gute Gründe.
Erst mal: Bitte leg den Knüppel weg!
Falls du gerade mit dir haderst, weil es schon Mitte Januar ist und dein Vorsatz noch kaum angelaufen ist – ich bitte dich: Mach dich nicht fertig. Denn es gibt handfeste Gründe, warum das Aufschieben und die fehlende Motivation gerade besonders stark sind:
Zumindest in Norddeutschland (und vielen anderen Regionen) ist es dunkel, kalt und grau. Von Natur aus wäre jetzt eigentlich Winterschlaf angesagt – eine warme Decke, ein Buch, eine Tasse Tee. Die Feiertage waren für viele stressig und kräftezehrend, und Lichtmangel sowie Vitamin-D-Mangel können uns in eine Art saisonale Verstimmung rutschen lassen, die echte Prokrastination und das Aufschieben von Vorhaben begünstigt. Das ist keine Schwäche – das ist schlicht Biologie.
Das bedeutet aber nicht, dass wir uns einfach bemitleiden und alles liegenlassen. Es bedeutet nur: Sei realistisch, was gerade geht – und starte dann klug. Hier kommen meine 10 Ideen.
1. Warte auf den Frühling – oder ein anderes Datum
Das ist die radikal ehrliche Option: Wenn es gerade wirklich nicht geht, weil du krank bist oder einfach keine Kapazitäten hast, dann verschieb den Start. Das Chinesische Neujahr im Februar oder der Frühlingsanfang im März sind energetisch viel bessere Startpunkte. Mehr Licht, mehr Wärme, mehr natürliche Aufbruchsstimmung – das hilft einfach.
2. Nicht alles auf einmal – bitte!
Diät halten, täglich Sport, Haushalt perfekt, Steuererklärung fertig, neues Hobby starten – und das alles gleichzeitig? Das ist eine Einladung zur Überforderung und damit ein Garant fürs Aufschieben. Such dir eine einzige Sache aus, die dir jetzt am wichtigsten ist. Nur eine. Und fang damit an. Alles andere kommt später, wenn du erst einmal Fahrt aufgenommen hast.
3. Erst Gesundheit, dann Vorsätze
Wenn du gerade angeschlagen bist, ist Selbstfürsorge der erste und wichtigste Schritt. Das kann bedeuten, dass du jetzt keine großen Aufräumaktionen startest, sondern stattdessen in Ruhe ein Buch liest, das du schon lange lesen wolltest, oder eine Weiterbildung vom Sofa aus machst. Sport kommt dann, wenn der Körper auch mitmacht.
4. Kleine Schritte – wirklich kleine
Das klingt banal, ist aber einer der wirksamsten Tipps gegen Prokrastination. Wer bisher gar keinen Sport macht und sich jetzt dreimal pro Woche ins Fitnessstudio vornimmt, landet nach zwei Wochen mit Muskelkater auf dem Sofa – und geht nie wieder hin. Viel klüger: Starte mit 10 Sit-ups morgens. Oder nimm einmal die Treppe statt den Aufzug. Was sich nachhaltig hält und über Wochen durchgehalten werden kann, bringt langfristig viel mehr als der große Anlauf, der nach zwei Wochen wieder endet.
5. Stelle dir vor, wie es ist, wenn du das Ziel erreicht hast
Wir neigen dazu, uns immer anzuschauen, was noch nicht klappt – und das zieht die Motivation runter. Dreh den Blick um: Wie fühlt es sich an, wenn du dein Ziel erreicht hast? Wie sieht dein aufgeräumtes Wohnzimmer aus? Wie fühlst du dich nach dem Lauf, den du geschafft hast? Dieses gedankliche Hochziehen an einem erstrebenswerten Bild ist eine kraftvolle Methode im Selbstmanagement – und hilft dem Unterbewusstsein, in die richtige Richtung zu gehen.
6. Visualisieren – mit Bildern, Filmen, Vorstellungskraft
Einen Schritt weiter geht das aktive Visualisieren: Suche dir Bilder raus, die dein Ziel repräsentieren. Schau dir einen Film an, der dich motiviert. Stell dir so konkret wie möglich vor – am besten mit allen Sinnen –, wie du dein Ziel erreichst. Das ist keine Wunschdenk-Romantik, sondern eine nachgewiesene Methode, um Motivation zu erzeugen und das eigene Verhalten in eine bestimmte Richtung zu lenken. Wer nur auf den Status quo schaut, erzeugt das Gegenteil.
7. Beweg dich – auch wenn Sport nicht dein Vorsatz ist
Bewegung bringt nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn in Schwung. Gerade nach den Feiertagen, wo viele viel saßen und lagen, ist der Körper ein bisschen eingerostet. Auch wenn es draußen grau und kalt ist: Ein Spaziergang an der frischen Luft tut Wunder. Sauerstoff und Bewegung schaffen Energie und damit auch Motivation, andere Dinge anzugehen. Ich war gestern Abend noch kurz raus, obwohl die Sonne schon unterging – und es hat wirklich gut getan.
8. Mach einen Plan mit kleinen Meilensteinen
Kleine Schritte allein reichen nicht – du brauchst auch eine Richtung. Sobald du mit deinem ersten kleinen Schritt ins Tun gekommen bist, mach dir einen Plan: Was ist der nächste kleine Meilenstein? Und der übernächste? So weißt du immer, wohin es geht, und kannst jeden erreichten Punkt auch feiern. Dieses Abhaken und Anerkennen des eigenen Fortschritts ist ein echtes Motivationsbooster im Selbstmanagement – und eine wirksame Gegenstrategie zum Aufschieben.
9. Feiere jeden Erfolg – auch die kleinen
Das klingt vielleicht seltsam, aber ernst gemeint: Klopf dir auf die Schulter. Sag dir innerlich: Ich habe das geschafft! Dieser kleine Akt der Anerkennung eigenen Tuns ist psychologisch hochrelevant und baut Motivation auf.
10. Tu dich mit anderen zusammen
Wenn es alleine schwerfällt: Such dir Menschen, die ein ähnliches Ziel haben, und motiviert euch gegenseitig. Das kann ganz konkret sein – ein gemeinsamer Sporttermin, ein Lernbuddy, oder ein virtuelles gemeinsames Arbeiten. In meiner Aufräum-Challenge erleben wir das gerade hautnah: Wenn andere auch am Arbeiten sind, macht man selbst einfach auch was – auch wenn man eigentlich gar keine Lust hat. Soziale Unterstützung ist eine der wirksamsten Strategien gegen Prokrastination.
Konkrete Beispiele: So kannst du starten
Du willst fitter werden oder abnehmen? Starte nicht gleich mit Fitnessstudio-Abo, sondern mit kleinen Bewegungseinheiten im Alltag: ein paar Kniebeugen beim Zähneputzen, im Stehen arbeiten, beim Fernsehen auf der Stelle laufen. Wer abnehmen möchte, tut gut daran, zunächst mehr Gesundes einzubauen – einen Apfel mehr, mehr Salat, mehr Ballaststoffe – statt sofort alles Ungesunde zu streichen. Die Darmflora dankt es dir.
Du willst aufräumen, weißt aber nicht wo anfangen? Dann such dir eine einzige Schublade oder eine kleine Ecke, das wird zur sogenannten Ruheinsel, von der aus sich Ordnung nach und nach ausbreiten kann. Oder beim Thema Steuern: Sortiere einfach mal die Belege für einen Monat. Das reicht für heute.
Du hast eine Hausarbeit oder Prüfung vor dir? Mach zunächst ein Brainstorming zu allem, was dir dazu einfallt. Dann such dir einen einzigen Unterpunkt heraus, mit dem du anfängst. Oder schau ein YouTube-Video zum Thema, um überhaupt erst eine Art Schubladenkommode in deinem Kopf aufzustellen, in die du den Stoff dann einsortieren kannst.
Fazit: Sanft in Bewegung kommen statt überwältigt stehen bleiben
Gute Vorsätze scheitern selten am Willen – sie scheitern daran, dass wir zu viel auf einmal wollen, zu ungünstigen Bedingungen starten und uns bei den ersten Stolpersteinen sofort selbst geißeln. Das Gegenmittel ist keine eiserne Disziplin, sondern kluge Strategie: kleine Schritte, realistische Erwartungen, soziale Unterstützung und die Bereitschaft, den eigenen Fortschritt auch anzuerkennen.
Du bist nicht gescheitert, wenn es im Januar noch holprig läuft. Du fängst gerade erst an – und das ist gut so.
Was hast du dir vorgenommen für dieses Jahr? Ich freue mich, von dir zu hören. Und wenn du Fragen hast oder Themen, zu denen du dir einen Blogartikel oder Podcast wünschst, melde dich auch gerne über das Kontaktformular.
Frohes neues Jahr! Hast du dir gute Vorsätze fürs neue Jahr vorgenommen? Und kämpfst du vielleicht schon ein bisschen damit, diese Neujahrsvorsätze auch wirklich umzusetzen? Wenn du nicht weißt, wie du richtig rankommst an deine Vorsätze und nach mehr Motivation suchst, dann bleib dran. In diesem Artikel gebe ich dir 10 konkrete Ideen, wie du mehr Energie für deine Veränderungen hast – und wie du deine Ziele auch wirklich erreichst.
Zunächst mal: Falls du dir etwas vorgenommen hast und es ist schon Mitte Januar und du kommst überhaupt nicht voran – leg den inneren Knüppel weg! Mach dich bitte nicht fertig. Denn es gibt gute Gründe, warum es besonders im Januar und Februar so schwierig ist, gute Vorsätze durchzuziehen.
Zumindest hier in Norddeutschland (ich kann für deine Region natürlich nicht sprechen) ist es dunkel, kalt, und viele sind ein bisschen kränklich. Man hat insgesamt einfach nicht so viel Energie. Von der Natur aus sind wir gerade im Winterschlaf-Modus. Eigentlich wollen wir mit einer warmen Decke auf dem Sofa liegen, den Ofen anmachen, ein Buch lesen und einen Tee trinken. Sei ehrlich: Geht es dir auch so?
Dazu kommt, dass für viele die Feiertage super stressig waren. Man fährt von A nach B, besucht Familie und Freunde – das ist wunderschön, aber auch anstrengend. Das Hin- und Herfahren, das Packen, die kurzen Nächte… viele kommen nicht erholt aus den Feiertagen und bräuchten eigentlich erstmal Urlaub.
Oder vielleicht hattest du es sehr gemütlich und bist jetzt so ein bisschen in Gemütlichkeit versackt und noch gar nicht richtig hochgefahren. Auch das ist völlig normal.
Warum der Januar so herausfordernd ist
Durch den Lichtmangel, Vitamin-D-Mangel, weniger Bewegung, mehr zuckerhaltiges und fettiges Essen rutschen viele in eine saisonale Depression. Auch wenn es keine echte klinische Depression ist – wir sind ein bisschen down, nicht ganz so motiviert, alles ist etwas schwergängig.
Das muss man alles mitberücksichtigen. Wenn einer oder mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen, dann hör bitte auf, dich fertigzumachen. Es ist wirklich schwierig gerade. Das heißt aber nicht, dass wir stehenbleiben, uns bemitleiden und alles fallen lassen müssen. Jetzt kommen meine 10 Ideen für mehr Motivation und Energie!
10 praktische Tipps: So gelingen deine Neujahrsvorsätze
1. Warte auf den Frühling (wenn möglich)
Die einfachste Lösung: Warte auf den Frühling, wenn du es dir zeitlich leisten kannst. Nimm das chinesische Neujahr im Februar oder den Frühlingsanfang im März als neuen Start für deine Vorsätze. Das ist energetisch ein bisschen einfacher, weil es dann heller ist, wärmer wird und die Natur wieder wächst. Das macht uns naturgemäß bessere Laune und dann ist Veränderung leichter.
2. Nicht alles auf einmal
Ich kann es nicht oft genug sagen: Bitte mach nicht gleichzeitig Diät, mehr Sport, den Haushalt picobello, die Steuererklärung und was weiß ich noch alles! Besonders wenn du nicht so fit bist, ist das totale Überforderung.
Such dir erstmal eine Sache raus, die dir jetzt am wichtigsten ist, und fang einfach damit an. So kommst du langsam in Schwung. Wenn du merkst, dass du angeschlagen bist, kümmere dich vielleicht als Allererstes um deine Gesundheit.
3. Gesundheit zuerst
Das kann auch heißen, dass du jetzt nicht super viel rumräumst oder Sport machst, sondern erstmal Tätigkeiten machst, die ein bisschen ruhiger sind. Vielleicht liest du ein Buch, das du schon lange lesen wolltest, oder kümmerst dich um eine Weiterbildung, die du vom Sofa aus machen kannst. Und Sport stellst du dann einfach erstmal ein bisschen weiter nach hinten, bis du dich körperlich fit fühlst.
4. Kleine Schritte sind der Schlüssel
Kleine Schritte sind ganz, ganz wichtig! Wir halten einfach in der Regel nicht durch, wenn wir zu viel auf einmal versuchen.
Beispiel Sport: Wenn du bisher gar keinen Sport gemacht hast und jetzt sagst „Ich gehe dreimal die Woche ins Fitnessstudio“, dann schaffst du das vielleicht ein, zwei Wochen. Dann hast du fürchterlichen Muskelkater, die Motivation leidet, und in der dritten Woche gehst du gar nicht mehr hin.
Besser: Fang langsam an mit kleinen Dingen, die du wirklich durchhalten kannst – „sustainable“, wie man auf Englisch sagt. Vielleicht sind das einfach 10 Sit-ups morgens oder einmal ein Stockwerk höher gehen bei der Treppe. Das kannst du über zwei, drei, vier, fünf oder mehr Wochen wirklich durchhalten. Und wenn du dann so fit bist, dass du denkst „jetzt Fitnessstudio“ – dann erst!
5. Visualisiere dein Ziel
Alles, was dir hilft, Motivation zu generieren, bevor du startest, ist wertvoll. Versuche, dir vorzustellen: Wie wird das sein, wenn du erreicht hast, was du erreichen willst?
Wir sind ja oft mit dem Blick bei dem, wie es gerade nicht läuft – und das zieht die Motivation runter. Aber daran zu denken, wie toll es ist, wenn du das Ziel erreicht hast, und dich daran hochzuziehen – das kann helfen, dass du wirklich in Wallung kommst und mehr Power generierst.
6. Nutze Bilder und Filme zur Inspiration
Du kannst nicht nur daran denken, wie es sein wird – du kannst dir auch Bilder im Internet suchen, wie toll das dann aussieht. Oder du guckst einen Film, der dazu passt. Visualisiere vor deinem geistigen Auge: Sieh dich, wie du einen bestimmten Lauf schaffst, wie du bestimmte Gewichte stemmst, wie du eine Arbeit abgibst, wie toll dein Wohnzimmer aussieht, wenn du aufgeräumt hast.
Versuche, dich da richtig reinzuversetzen. Das kann Motivation steigern und auch dein Unterbewusstsein mitnehmen, dass du wirklich in diese Richtung gehst.
7. Bewegung bringt Energie
Egal, ob Sport eines deiner Neujahrsvorsätze ist oder nicht: Bewegung bringt auch den Körper in Bewegung! Gerade wenn du vielleicht viel rumgesessen oder rumgelegen hast über die Feiertage, dann ist der Körper so ein bisschen entwöhnt.
Auch wenn das vielleicht gerade das Letzte ist, was du machen willst: Geh raus, beweg dich! Oder mach Musik an und beweg dich ein bisschen zu Hause. Das generiert Energie. Du musst es nicht übertreiben – fang langsam an und steigere dich dann.
Bewegung bringt auch das Gehirn in Bewegung und schafft Motivation. Am besten an der frischen Luft, auch wenn es richtig kalt ist. Gestern waren wir auch noch mal abends draußen, als die Sonne schon langsam unterging – 20 Minuten, und das hat total gut getan.
Frische Luft ist sehr, sehr wichtig und schafft auch Motivation. Also auch wenn es dunkel ist: Geh raus! Der Sauerstoff hilft dir, dass du ein bisschen mehr Drall kriegst und Dinge machen willst.
8. Mach dir einen Plan mit Meilensteinen
Viele kleine Schritte bringen dich auch zum Ziel. Wenn du weißt, welche kleinen Schritte dich dorthin bringen, mach dir einen Plan aus diesen kleinen Schritten. Dann weißt du auch, in welche Richtung das Ganze geht.
Nachdem du kleine Schritte für den Start gemacht hast, setze dir kleine Meilensteine, wo du hin willst. Du hast also mit Sport angefangen – jetzt kannst du dir kleine Ziele setzen, die dann erreichen, abhaken und diesen Erfolg feiern. Das hilft dir, langfristig Motivation aufzubauen, weil du dir auf die Schulter klopfen kannst: „Den Punkt hab ich erreicht, das Ziel hab ich erreicht!“
9. Feiere kleine Erfolge
Kleine Schritte zu erreichen und die dann auch zu feiern – das ist so wichtig! Es muss nicht die große Party sein, aber erkenne an, was du geschafft hast. Das gibt dir Schwung für die nächsten Schritte.
10. Tu dich mit anderen zusammen
Wenn es dir alleine schwerfällt, finde Menschen, die mit dir gemeinsam das gleiche oder ein ähnliches Ziel haben, und motiviert euch gegenseitig. Das ist sehr, sehr hilfreich!
Das ist auch der Grund, warum wir zum Beispiel in meiner Aufräum-Challenge gemeinsam aufräumen. Aktuell sind die Inhalte zwar als Online-Kurs aufgebaut, aber es gibt mehrere Videos, in denen du mich aufräumen siehst, so dass wir gemeinsam arbeiten können. Und tatsächlich treffen sich immer noch einige Teilnehmerinnen regelmäßig selbstorganisiert online und räumen weiter gemeinsam auf. Es motiviert einen Termin zu haben, zu dem auch andere Leute am Arbeiten sind. Auch wenn man gerade gar keine Lust hat – weil die anderen auch was tun, macht man dann halt trotzdem was.
Konkrete Beispiele für deine Neujahrsvorsätze
Wenn du fitter werden oder abnehmen willst
Geh nicht sofort ins Fitnessstudio, wenn dir das schwerfällt. Mach erstmal mehr kleine Bewegungen in deinem Alltag:
Ein paar Squats beim Zähneputzen
Die Beine hochnehmen nach vorne oder hinten beim Zähneputzen – so kleine Marschierübungen
Beim Fernsehgucken nicht sitzen, sondern ein bisschen auf der Stelle laufen
Im Stehen arbeiten statt im Sitzen (z.B. mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch)
Solche kleinen Dinge erhöhen den Grundumsatz und steigern die Muskelmasse – zwar nur ganz bisschen, aber immer ein bisschen mehr bringt auch viel. Und dann kriegst du mehr Lust auf mehr Bewegung!
Beim Abnehmen: Lass nicht gleich alles weg. Natürlich kannst du kleinere Teller nehmen und kleinere Portionen drauf füllen. Aber wenn du dich von Schokolade und Co. entwöhnen möchtest, ist es erstmal viel einfacher, mehr Gesundes einzubauen. Darüber stellst du die Darmflora langsam um, von fettig und süß auf frisch und gesund. Dann reduzierst du nach und nach die ungesünderen Sachen.
Bau erst mal einen Apfel ein, iss mehr Salat, mehr gesunde Ballaststoffe. Und wenn du das geschafft hast, lass die ungesunden Sachen langsam weg.
Wenn du aufräumen willst
Wenn du überhaupt nicht weißt, wo du anfangen sollst: Nimm dir eine Schublade oder eine Ecke – eine kleine Fläche, die leicht ist. Damit hast du erstmal ein Erfolgserlebnis. Von dieser „Ruheinsel“ aus kann sich die Ordnung dann nach rechts, links, oben, unten langsam ausbreiten. Du machst immer Schritt für Schritt weiter.
Das sind nicht die Quantensprünge zu Beginn, aber dadurch kannst du langsam aufräumen, ohne dich in die Überforderung zu bringen.
Wenn du Steuerthemen oder Ablage hast
Sortiere einfach mal die Steuerbelege für einen Monat. Oder mach den ersten Schritt beim Sortieren deiner Papierablage. Irgendwas Kleines, was dir hilft, ins Tun zu kommen, ohne dass du gleich in Überforderung gehst.
Wenn es um Weiterbildung geht
Mach ein erstes Brainstorming für eine Hausarbeit, die du noch schreiben willst. Schreib alles auf, was da ungefähr rein soll, und dann pick dir eine Überschrift raus und fang damit an.
Oder wenn du eine Prüfung vor Augen hast: Guck ein YouTube-Video zu dem Thema, um erstmal reinzukommen. Frag eine KI, was sie darüber weiß (mit aller Vorsicht natürlich). Fang mit irgendetwas Leichtem an, was dir Freude macht, um überhaupt eine „Schubladenkommode“ in deinem Gehirn hinzustellen, wo du dann den Lernstoff nach und nach reinlegen kannst.
Deine Neujahrsvorsätze können gelingen!
Gute Vorsätze müssen nicht scheitern. Mit den richtigen Strategien, realistischen Erwartungen und vor allem mit Selbstmitgefühl kannst du deine Veränderungen wirklich schaffen. Der Schlüssel liegt in kleinen Schritten, guter Motivation durch Visualisierung und soziale Unterstützung – und darin, dass du verstehst, dass der Januar und Februar einfach herausfordernde Monate sind.
Sei freundlich zu dir selbst. Fang klein an. Und feiere jeden Schritt, den du machst. So werden aus Neujahrsvorsätzen echte, nachhaltige Veränderungen in deinem Leben.
Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinen Vorsätzen und freue mich, wenn du dranbleibst. Wenn du Unterstützung brauchst – such dir Menschen, die mit dir gemeinsam arbeiten. Zusammen ist es so viel leichter!
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In diesem Artikel widmen wir uns dem Thema des Anfangens.
Oft stehen wir vor einem Berg von Aufgaben oder einem unsortierten Haufen von Verpflichtungen und wissen nicht, wo wir beginnen sollen. Heute stelle ich dir vier Methoden vor, wie du erfolgreich mit Aufgaben starten kannst.
Wenn du möchtest, kannst du zu diesem Thema auch meine Podcast-Episode anhören:
Methode 1: Erstelle eine Liste
Eine effektive Möglichkeit, den Anfang zu finden, ist das Erstellen einer Liste. Schreibe alles auf, was zu der Aufgabe gehört und mit dem du theoretisch beginnen könntest. Diese Liste dient als Basis und hilft dir, das Chaos in deinem Kopf zu ordnen.
Ob es um eine Hausarbeit, die Organisation deiner Räume oder andere Aufgaben geht, notiere alle möglichen Anfangspunkte. Nimm dir einen Moment, um diese Liste zu erstellen und den Überblick zu gewinnen.
Methode 2: Greife die größte Herausforderung zuerst an
Manche Menschen bevorzugen es, direkt die schwierigsten Aufgaben anzugehen. Das wird auch als „den Stier bei den Hörnern packen“ bezeichnet.
Indem du dich der größten Herausforderung zuerst stellst, wirst du feststellen, dass es danach nur einfacher wird. Diese Methode erfordert Mut und Entschlossenheit, ist jedoch besonders effektiv, wenn du schon lange eine bestimmte Aufgabe vor dir herschiebst.
Methode 3: Starte mit dem Einfachsten und steigere dich
Eine alternative Herangehensweise ist es, mit dem einfachsten Teil der Liste zu starten und dich dann langsam zu steigern.
Wähle die Aufgaben aus, die am leichtesten abzuarbeiten sind, und wenn sie schnell erledigt sind, kannst du vielleicht sogar mehrere davon hintereinander erledigen.
Indem du klein anfängst, gewinnst du Schwung und Motivation, um dich anschließend auch den schwierigeren Aufgaben zu widmen.
Methode 4: Lasse den Zufall entscheiden
Manchmal kann es auch Spaß machen, dem Zufall die Entscheidung zu überlassen. Schließe zum Beispiel die Augen, tippe mit dem Finger auf die Liste und starte mit der Aufgabe, auf die du zeigst. Oder hefte die Liste an die Wand und wirf einen Dartpfeil darauf, um die Wahl zu treffen. Du kannst auch jemand anderen, wie dein Kind, auswählen lassen oder einfach intuitiv an einer Stelle beginnen, auf der dein Auge hängen bleibt.
Das Prinzip ist, einfach irgendwo anzufangen und in den Fluss zu kommen.
Der Anfang ist der Schlüssel zum Erfolg. In diesem Artikel hast du vier Methoden kennengelernt, wie du mit Aufgaben starten kannst: das Erstellen einer Liste, das Angreifen der größten Herausforderung, das Starten mit dem Einfachsten und das Entscheiden durch den Zufall. Wähle die Methode aus, die am besten zu dir und deiner Situation passt.
Bitte vergiss nicht, dass es keine richtige oder falsche Art gibt, mit dem Anfangen umzugehen. Wichtig ist nur, dass du den ersten Schritt machst. Wenn du Schwierigkeiten hast, dich zu motivieren, kannst du dich auf diesem Blog weiter umsehen oder dir auch Unterstützung in einem Coaching holen. Vor allem, wenn tiefsitzende Blockaden dazu führen, dass du nicht anfangen kannst, hilft es, diese zunächst zu lösen (z.B. mit Hypnose) , und dann ins Handeln zu kommen.
Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, die Dinge anzugehen, die vor dir liegen.
Heute nur mal zur Erinnerung: Perfektionismus tut selten gut und führt häufig zu Aufschieben. Wenn du nämlich an dich und das, was du tust, so einen hohen Anspruch stellst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du dich vor lauter Angst, es nicht so hinzukriegen, gar nicht an die Aufgabe rantraust.
Wenn du also z.B. planst, „die ganze Wohnung perfekt aufzuräumen“, so dass es hinterher wie bei „Schöner Wohnen“ aussieht und du dann den aktuellen Zustand mit diesem Wunschbild vergleichst, fühlst du dich höchstwahrscheinlich schnell entmutigt und gibst auf, bevor du angefangen hast.
Oder wenn du eine Arbeitsaufgabe planst und sie für dich nur als „erfolgreich“ gilt, wenn sie hypertollsuperduperperfekt wird, ist die Chance, diese anzufangen, auch eher gering. Oder du wartest sehr, sehr lange (womöglich für immer), auf den „richtigen Moment“, wenn alles stimmt, damit du auch wirklich diese hohe Performance abliefern kannst.
Viel hilfreicher für dass Anfangen von Aufgaben ist es stattdessen, dir ein realistisches Ziel zu setzen und vielleicht 80% deines Wunschziels anzusteuern. Und dann Schritt für Schritt das zu tun, was dich deinem Ziel immer ein Stückchen näher bringt. Wenn du die 80% erreicht hast, kannst du ja immer noch ein bisschen mehr machen, wenn du willst. Aber verpass nicht den Punkt, das Projekt abzuschließen.
Better done than perfect.
Ich wünsche dir schöne Ostertage! Und falls du trotz Feiertagen mit der Challenge fortfährst (Heute ist Tag 7): Was fliegt heute raus?
Tag 4: Wir haben gestern und vorgestern ja schon ein wenig reflektiert, was du vielleicht von anderen gelernt oder übernommen hast, was es dir womöglich schwer macht, dich von Dingen zu trennen.
Heute sprechen wir über das Thema „Rebellion“. Es kann nämlich sein, dass du unbewusst gegen jemanden oder etwas rebellierst, indem du Dinge nicht weggibst und keine äußere Ordnung einhältst.
Wenn du z.B. zu Hause ganz ordentlich sein musstest oder deine Bezugspersonen zu Hause immer ganz ordentlich waren, kann es später so sein, dass du als „geheimen Akt der Rebellion“ Chaos walten lässt – ganz ohne dass du dir dessen selbst bewusst bist. Vielleicht stört dich die Unordnung sogar selber, aber ein Teil von dir denkt vielleicht „Dir zeig ich’s! Ich mach das nicht ordentlich! Ich lass das einfach alles hier liegen!“.
Wir haben nämlich auch im Erwachsenenalter immer noch „innere Kinder“ und auch „innere Teenager“ in uns, d.h. innere Anteile, die jünger sind als unser tatsächliches Lebensalter, und die andere und aus heutiger Sicht manchmal sogar ungewöhnliche oder irrationale Verhaltensweise auslösen können.
Das betrifft übrigens nicht nur das Aufräumen und Entrümpeln, sondern oft auch andere Aufgaben, die wir aufschieben. Wenn wir z.B. mit unserer Steuererklärung nicht zurande kommen, ist oft innerer Widerstand im Spiel.
Und das sogar, wenn wir uns damit selbst schaden, denn dem Teil, der in diesem Moment aktiv ist, sind häufig die Konsequenzen gar nicht so klar. Oder sie sind ihm oder ihr in dem Moment einfach egal. So wie Kindern in dem Moment, wenn sie sich gerade über etwas ärgern, was die Eltern verlangen oder tun, auch egal ist, welche Konsequenzen womöglich drohen, weil sie ganz im Moment und in ihrem Gefühl sind.
Spüre heute also einmal in dich hinein, welche Anteile vielleicht zum Thema aktiv sind und wie es ihnen geht. Und dann überlege, wie du sie überzeugen kannst, sich anders zu verhalten oder ihr Verhalten sein zu lassen.
Das mache ich übrigens sehr oft in Coachings mit meinen Klient:innen, am liebsten ganz sanft mit Hypnose. 🙂
Und zuletzt: Welcher Gegenstand verlässt heute deinen Haushalt?
Wenn du nicht ins Tun kommst, hilft die Häppchen-Taktik
Vielleicht kennst du das auch: Wenn du eine große (oder vermeintlich große) Aufgabe vor dir hast, dann steht diese vor dir wie ein großer Berg, den du nicht angehen kannst und willst. Du verfällst aufgrund der Stressreaktion entweder in eine Art Schockstarre oder du ergreifst die Flucht – und tust ohne zu überlegen etwas ganz anderes wie vielleicht Putzen oder Videos anschauen.
Das passiert vor allem dann, wenn du so etwas noch nie gemacht hast. Oder wenn es schon so lange her ist, dass du nicht mehr weißt, wie es geht.
Oder auch, wenn du schon weißt, wie viel Arbeit es ist (wie z.B. die Steuererklärung).
Oft geschieht es auch auch, wenn du dich gerade nicht so energiegeladen fühlst, weil du körperlich oder psychisch nicht ganz auf der Höhe bist.
Wenn du vor so einem großen Berg stehst, dann hilft dir die Häppchen-Taktik, ins Tun zu kommen.
Diese Methode nennt sich auch Salami-Taktik oder Scheibchen-Taktik, in meinen Seminaren nenne ich sie auch „Große Aufgaben unterteilen“ oder „Schritt für Schritt“ arbeiten. Wenn du den ursprünglichen Begriff „Salami-Taktik“ gut findest, aber fleischlos lebst, kannst du auch „Gurken-Technik“ sagen (finde ich), denn dieser Name beschreibt das Vorgehen genauso: das große Ganze wird in kleine Häppchen unterteilt.
Die drei Schritte der Häppchen-Taktik
Die drei Schritte:
Alles aufschreiben, was zur Aufgabe gehört, woraus sie sich zusammensetzt
Große Brocken noch weiter unterteilen
Sinnvolle Reihenfolge
Und dann empfehle ich dir, am besten gleich mit der Bearbeitung anfangen. Denn wir neigen dazu, etwas Angefangenes beenden. Somit kommst du deinem Ziel sofort einen greifbaren Schritt näher.
Beim Beispiel Steuererklärung kannst du die Aufgabe in folgende Schritte unterteilen:
Belege suchen (wenn du sie nicht vorher schon an einem Ort gesammelt hast)
Belege sortieren
Formulare besorgen (Papier oder digital) oder Auflistung für Steuerberater machen
Formulare ausfüllen
Erklärung abgeben (Papier und/oder digital)
Die einzelnen Schritte kannst du dann je nachdem, wie deine Steuererklärung aufgebaut ist, noch weiter unterteilen. So kannst du die Belege an verschiedenen Orten suchen oder nach Papierbelegen und digitalen Belegen unterteilen. Das Ausfüllen der Formulare kannst du nach den Formularen aufteilen (Mantelbogen, Anlage N, evtl. Anlage S,…).
Und das war schon die ganze Methode.
Die Häppchen-Taktik lässt sich auch kombinieren
Um mit den einzelnen Schritten noch besser ins Tun zu kommen, lässt sich die Methode mit weiteren kombinieren, z.B. mit der Pomodoro-Technik, Arbeitszeitrestriktion und der sozialen Unterstützung. Wenn du diese noch nicht kennst, lies gern die entsprechenden Artikel oder hör die Podcast-Episoden dazu an.
Man nennt sie Scanner, Vielseitig Interessierte, Multitalente, Tausendsassa, Rennaissance-Seelen oder auch Universalgenies.
Und sie sitzen immer wieder in meinem Veranstaltungen und Coachings und verstehen nicht, warum bei ihnen die Dinge anders laufen, als „gewöhnlich“.
Da ich selbst Scannerin bin, kann ich das sehr gut verstehen. Denn ich habe auch eine Weile gebraucht, mich selbst an dieser Stelle zu verstehen und anzunehmen.
Auch in einigen Podcast-Episoden habe ich den Begriff schon verwendet und werde immer wieder gefragt: Was ist denn nun ein Scanner. Dazu gibt es in diesem Artikel eine kurze Einführung.
Falls du lieber hören möchtest, ist hier die Podcast-Version. Sie enthält die gleichen Informationen, ist aber natürlich nicht wortwörtlich gleich:
Ein Scanner liebt viele verschiedene Aktivitäten: Lesen, schreiben, planen, zeichnen, malen, organisieren, programmieren, kommunizieren, entwickeln, zocken, kochen, tanzen, schwimmen, musizieren, dichten, reparieren, erfinden und, und, und…
Scanner legen sich nicht gern fest, sie sind eben vielseitig interessiert. Die Welt ist für sie wie ein Süßigkeitenladen. Sie wollen am liebsten alles entdecken und verstehen, was sie interessiert – und ständig entdecken sie neue Interessen. Ihre unbändige Neugier kennt oft kein Ende. Deshalb lesen sie meist viel und sind häufig auch sehr kreativ.
Scanner haben besondere Fähigkeiten
Sie vertiefen Themen schnell und zielorientiert, lesen auch gern mal quer, und eignen sich schnell Wissen an.
Sie beobachten sehr genau und hinterfragen gern alles.
Scanner sind Schnelldenker (Ob man eher schnell oder langsam denkt und spricht, ist übrigens physiologisch festgelegt.)
Sie sind Spezialisten auf vielen Gebieten, wissen viel zu vielem – aber meist nicht alles zu einem.
Sie haben meist schon viele unterschiedliche Dinge getan, sich mit vielem beschäftigt – und auch wieder damit aufgehört
Sie arbeiten häufig unorthodox, kreativ und chaotisch.
Sie hassen Routine, können davon sogar krank werden (Bore-out).
Mein ganz persönlicher Begriff dafür ist „Sesamstraßenkind“: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm. Deshalb frage ich auch manchmal sogar Bauarbeiter auf der Straße, was sie da gerade machen, wenn es mich zu neugierig macht…
Manch ein Scanner widmet sich nur einer Sache nach der anderen. Ein anderer hat vielleicht zwei, drei, sieben oder zehn Projekte auf einmal am Laufen und ist damit mehr als glücklich. Aber eines haben sie alle gemeinsam:
Sie wollen ALLES, was ihren Interessen entspricht aufsaugen und nicht wählen. Es gibt nur „und“, auch wenn die Tätigkeiten nacheinander ausgeführt werden, aber wenn der Scanner mehrere Dinge tun möchte, dann tut er sie. Ein „oder“ gibt es für ihn nicht.
Die Faszination eines Scanners und was das mit der Konzentration auf sich hat
Ist der Scanner wieder in etwas Neues verliebt und entscheidet sich dafür, geht er konzentriert und fokussiert an die Sache ran. Er will alles aufsaugen und lernen und ist fast wie in einem Rauschzustand.
Hat er sein selbst erklärtes Ziel erreicht, fängt er schnell an, sich zu langweilen, und seine Konzentrationsfähigkeit schwindet.
Wenn der Scanner die Möglichkeit hat, weiterzuziehen, dann widmet er sich einem oder mehreren neuen Projekt. Hat er diese Möglichkeit nicht, wird er unglücklich.
Die Art von Scannern, in der Welt zu sein, wird häufig von außen skeptisch oder auch negativ betrachtet. Sie seien sprunghaft, Hans-Dampf-in-allen-Gassen oder Dillettanten in vielem statt Spezialisten in einem Bereich.
Verwechslung möglich
Es gibt auch andere Phänomene, die zwar gleichzeitig mit dem Scanner-Dasein auftreten können, aber auch ganz für sich stehen können:
Entscheidungsunfähigkeit: Scanner haben manchmal Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, einfach weil sie so viel interessiert. Ein Nicht-Scanner, der sich nicht entscheiden kann, springt zwischen vielen Themen herum, bis endlich das Richtige gefunden wird. Oder er oder sie traut sich nicht, zu dem EINEN richtigen Thema zu stehen und tanzt deshalb drumherum.
Depression: Ein Kennzeichen einer Depression sind Konzentrationsprobleme. Deshalb könnte man auf die Idee kommen, ein Scanner zu sein, weil es schwer fällt, an einer Sache zu bleiben. Scanner haben jedoch kein Konzentrationsproblem, wenn sie ein Thema am Wickel haben. Sie haben eins, wenn sie das Thema nicht (mehr) interessiert.
ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, „Träumer“, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, „Zappelphillipp“): Auch hier könnte man auf die Idee kommen, ScannerIn zu sein, weil man sich nicht länger auf eine Sache konzentriert. Natürlich kann man gleichzeitig Scanner sein und ADS oder ADHS haben, das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein.
HSP (Hochsensibilität): Hochsensible Personen nehmen mehr Reize auf als andere. Deshalb sind sie schneller „satt“ und überfordert, wenn viele Reize zusammen kommen (viele Menschen, wie z.B. in Einkaufszentren oder Events). Grund ist, dass das interne Filtersystem im Gehirn viel mehr durchlässt als bei anderen. Ca. 20% der Bevölkerung sind HSP, oft ohne es zu wissen. Auch Scanner können entsprechend HSP sein und sollten dann darauf achten, sich bei aller Begeisterung nicht zu viel auf einmal zuzumuten.
Begriff Scanner stammt von Barbara Sher
Dieser Artikel kann und soll nur einen ersten Eindruck zum Thema geben. Wer mehr lesen möchte, sollte sich die Bücher von Barbara Sher anschauen. Sie hat den Begriff „Scanner“ für vielseitig interessierte erfunden und geprägt. Die Bücher dazu sind:
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Klassische Coachinganliegen und -themen von Scannern
Scanner, die in mein Coaching kommen, sagen häufig Sätze wie:
Ich hab so viele verschiedene Projekte und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
So viele Dinge brauchen gleichzeitig meine Aufmerksamkeit, dass ich gar nicht weiß, wo es jetzt weiter geht.
Ich hab es schon mit normalem Zeitmanagement versucht, aber irgendwie halte ich den Plan, den ich mir mache nie ein und nutze auch die Tools nicht regelmäßig.
Ich hab Mühe, mich an eine Aufgabe ranzusetzen, wenn sie zeitlich „dran“ ist, weil mich ausgerechnet dann immer was anderes interessiert.
Meine Arbeit von 9 bis 17 Uhr langeweilt mich zu Tode. Aber von irgendwas muss man ja leben.
Ich habe so viele Talente und Interessen, ich weiß nicht, welche Arbeit ich damit machen soll.
Ich kann vieles ein bisschen oder auch ein bisschen mehr aber nichts so richtig perfekt.
Wenn ich das für mich Wichtige zu einem Thema herausgefunden habe, bin ich fertig damit.
Meine Wohnung ist ein Chaos, ich hebe alles Mögliche auf, weil ich es ja noch zum Basteln gebrauchen könnte. Leider weiß ich nie, wann ich wieder mit Makramée, Malen, Stricken, Töpfern,… anfangen werde, dafür muss ich in der richtigen Stimmung sein.
Wenn ich ein interessantes Thema am Wickel habe, dann schaffe ich es kaum, ins Bett zu gehen. Ich will mich dann immer weiter und weiter damit beschäftigen.
Nach einer total intensiven Phase mit hoher Energie falle ich immer in ein tiefes Loch und bin total erschöpft.
Häufige Coaching-Themen sind entsprechend:
Was will ich eigentlich wirklich?
Welcher ist der richtige Beruf für mich?
Wie bringe ich meine Interessen unter einen Hut?
Wie kann ich meine vielen Interessen ausleben und gleichzeitig meinen Lebensunterhalt bestreiten?
Prokrastination
Wie bringe ich angefangene Projekte zu Ende?
Wie konzentriere ich mich über längere Zeit (oder immer wieder) auf ein bestimmtes Projekt?
Entspannung
Wie schaffe ich mir auch genügend Erholungsphasen und hetze nicht von einem Projekt zum nächsten ohne Pause?
Wie kann ich mich erden und auch mal „runterfahren“?
Generell
Wie kann ich meine besondere Art, in der Welt zu sein, meiner Persönlichkeit und meine Begabungen genießen anstatt darunter zu leiden?
Wie kann ich Frieden damit schließen, wie ich bin?
Mein Wunsch: Versöhne dich mit dir selbst
Falls du dich in diesem Text wiedergefunden hast und damit haderst, wie du so tickst, dann ist mein Wunsch für dich (für alle übrigens, auch für Nicht-Scanner), dass du dich mit dir selbst aussöhnst. Du bist wundervoll und einzigartig, so wie du bist!
Vielleicht hilft es dir, wenn ich dir ein paar berühmte Scanner-Persönlichkeiten nenne:
Aristoteles war ein Scanner und interessierte sich für Philosophie, Logik, Physik, Astronomie, Psychologie, Kunst der Prophezeiung, Zoologie, Theater und Lyrik.
Auch Benjamin Franklin gehörte eindeutig zu uns Scannern. Er beschäftigte sich u.a. mit Natur- und Wirtschaftswissenschaften, Musik, Philosophie und Politik.
Und einer meiner Lieblingsscanner ist Leonardo da Vinci, der laut Wikipedia als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten gilt. Er war Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph.
Zum Schluss ein Bild aus der Natur: Die Honigbiene
Niemand kann dir von außen betrachtet sagen, wann du mit deinem Projekt fertig bist. Barbara Sher zieht hierfür als Bild die Honigbiene heran. Sie fliegt von Blüte zu Blüte und von außen betrachtet könnte dies ziellos und beliebig wirken. Man könnte sagen, sie legt sich nicht auf eine Blüte fest. Sie legt sich nicht mal auf eine bestimmte Blumenart fest. Betrachtet man aber ihr Ziel: Nektar zu sammeln, dann ist ihr Vorgehen absolut sinnvoll.
Und wenn ich noch ergänzen darf: Betrachtet man das Ziel der Natur: Bestäubung, dann ist es umso sinnvoller, was die Biene da macht!
Wenn ich dir im Rahmen eines Coachings oder mit einem meiner Online-Kurse weiterhelfen kann, dann schau dich gern hier auf meiner Internetseite um und melde dich bei mir.
Und falls du durch die Struktur meiner Seite nicht intuitiv durchsteigst, schreib mir. Hier ist auch eine Scannerin am Werk, die nicht alles immer sofort schafft, was auf der Agenda steht… 😉
Überforderung – Manchmal ist einfach alles zu viel.
Zu viel zu tun, vielleicht auch noch mit zu wenig Zeit. Alle wollen etwas von dir. Und du selbst willst alles richtig oder sogar perfekt machen.
Bevor zu verzweifelst, probiere diese Tipps aus:
1) Schreib deine To-Dos auf So bekommst du einen besseren Überblick und musst keine Angst haben, dass du etwas vergisst.
2) Atme tief durch – gern auch mehrmals Es kann sein, dass es sich zunächst schlimmer anfühlt, wenn du alles, was zu tun ist, schwarz auf weiß siehst. Atme und spüre deinen Körper, damit du nicht innerlich „abtauchst“ oder aus der Situation flüchtest.
3) Vergib Prioritäten und/oder Termine Schreib zu den Aufgaben dazu, wie wichtig die Aufgaben sind, z.B. A für wichtig und dringend, B für wichtig/ nicht dringend, C für weniger wichtig, D für „jetzt nicht dran“. Und/oder schreib dazu, bis wann die einzelnen Aufgaben erledigt sein müssen.
4) Aussortieren Was kann weg? Verschiebe die Aufgaben, die gerade jetzt nicht dran sind oder auch ganz weg können, auf eine andere Liste oder streich sie durch.
5) Was kann verschoben werden? Gibt es Aufgaben, die nur deshalb zeitkritisch sind, weil du selbst ein Datum festgelegt hast? Kannst du sie verschieben?
6) Wer kann mir helfen? Überlege, ob du einzelne Aufgaben jemand anderem geben kannst.
7) Was kann mir helfen? Was ist der leichteste Einstieg? Überlege, welche Strategie dir helfen kann, Aufgabe 1 zu bewältigen Wie kannst du mit der ersten Aufgabe am allerleichtesten anfangen? Mach es dir einfach und versuch vielleicht sogar, Spaß zu haben. Z.B. Bügeln beim Fernsehen oder beim Video des Online-Kurses, der gerade ausläuft. Ideen für ein Projekt als Mindmap mit Bildern statt nur mit Text oder im Gespräch mit jemand anderem.
8) Was lässt sich verbinden? Vielleicht kannst du einzelne Aufgaben miteinander verbinden und auf diese Weise Zeit sparen? Z.B. etwas lesen, während du irgendwo warten musst oder mit dem Bus oder der Bahn fährst. Oder während du wartest, dass die Kartoffeln kochen. Infos an andere ausnahmsweise per Sprachnachricht von unterwegs, anstatt sie zu tippen, oder du diktierst sie deinem Handy, das dann den Text für die Email daraus erstellt.
9) Stell dir eine Uhr und fang einfach mit etwas an. Und das immer wieder, bis die Liste langsam kürzer wird.
10) Belohne dich! Feiere jeden kleinen Schritt. Lobe dich selbst ausgiebig und schenk dir selbst extra Zuwendung, z.B. durch dein Lieblingsessen oder einen Spaziergang in der Mittagspause. Du brauchst extra Energie, um in der Entspannung zu bleiben. Dadurch fühlst du dich deinen Aufgaben besser gewachsen.
In diesen zwei Artikeln gibt es noch mehr Anregungen zum Thema Überforderung:
In diesem Artikel stelle ich dir das Pareto-Prinzip vor. Dies ist eine Zeitmanagement-Regel oder ein Effekt, den man nutzen kann, um produktiver mehr Dinge schneller zu schaffen und dabei gleichzeitig entspannter zu sein.
Hier kannst du die Podcast-Episode zu diesem Artikel hören:
Das Pareto Prinzip, über das ich heute schreibe, wird auch Pareto-Effekt genannt oder auch 80/20 Regel.
Im letztgenannten Namen steckt auch schon das ganze Geheimnis. Das Pareto Prinzip besagt nämlich, dass in vielen Fällen schon 80 Prozent des Ergebnisses mit nur 20 Prozent des Einsatzes erreicht werden können. Und andersherum bedeutet es, dass man häufig, wenn man ein 100%iges Ergebnis anstrebt, für die letzten 20 Prozent oft 80 Prozent des Einsatzes braucht. D.h., für das vollständige Ergebnis von 100 Prozent musst du deutlich mehr Aufwand betreiben als für den Großteil.
Um effizienter zu arbeiten, kann man z.B. dort ansetzen und sich überlegen: „Welche Dinge muss ich eigentlich komplett machen und wo kann ich mich vielleicht auch mal mit 80 Prozent zufrieden geben?“
Auf wen geht das Pareto-Prinzip zurück?
Bevor wir noch tiefer in das Konzept einsteigen, möchte ich dir noch kurz verraten, woher das Prinzip kommt und wer es erfunden hat. Der „Erfinder“ der italienische Ökonom Wilfred Pareto, hat Anfang des 20. Jahrhunderts analysiert, wie der Grundbesitz in Italien verteilt ist. Und dabei stellte er fest, dass ca. 20 Prozent der Bevölkerung rund 80 Prozent des Bodens besaßen. Entsprechend hat er den Banken empfohlen, sich auf diese 20 Prozent, nämlich die Reichen, zu fokussieren anstatt auf alle. Natürlich gab es heftige Kritik der anderen 80 Prozent…
Aber seit dieser Entdeckung wurde durch Pareto selbst und auch durch andere Leute sehr viel geforscht, ob dieses Prinzip 80/20 auch auf andere Bereiche anwendbar ist. Und dabei sind z.B. folgende Erkenntnisse herausgekommen:
20 % der Bevölkerung besitzen 80 % des Vermögens.
80 % des Umsatzes vieler Unternehmen werden mit 20 %der Produkte oder der Kunden erwirtschaftet.
80 % deiner Zeit trägst du lediglich 20 % deiner Klamotten.
20 % der Websites im Internet machen 80 % des Datenvolumen aus.
In 20 % der Zeitungen stehen 80 % der wichtigen Nachrichten.
Das Verhältnis ist nicht immer ganz genau 80 : 20, aber es ist der Grundgedanke, dass in einem eher geringen Teil meistens der größte Output oder der größte Inhalt zu finden ist.
Wie kann man das Pareto-Prinzip anwenden?
Du kannst dieses Prinzip nun so anwenden, dass du oft mit einem vergleichsweise geringen Aufwand schon ein recht großes Ergebnis erreichen kannst. Und das kannst du nutzen, um deinen Fokus auf das Wesentliche zu richten, nämlich auf die 20 Prozent, mit denen du schon 80 Prozent des Ergebnisses erreichst.
Das ist vor allen Dingen dann wichtig, wenn du zu den Leuten gehörst, die gar nicht wissen, wo sie eigentlich anfangen sollen und schier erschlagen sind von der Vielzahl an Aufgaben. Und du dann vielleicht auch noch zu einem gewissen Perfektionismus neigst. Denn da besteht ja natürlich die Gefahr, dass du total hektisch und super gestresst versuchst, alles abzuarbeiten und überhaupt keine Pausen mehr machst. Oder auch, dass du einfach gar nicht anfängst oder gar nicht produktiv arbeitest, weil du so erschlagen bist von diesen ganzen Aufgaben.
Hierbei kannst du das Pareto Prinzip nutzen, um einerseits entspannter zu sein, indem du dir zum Beispiel erlaubst, auch mal ein bisschen weniger abzugeben als die 100 oder 120 Prozent, die du vielleicht sonst machst. Und andererseits um auch schneller Dinge abzuarbeiten, bei denen es vielleicht nicht so wichtig ist, dass es 100 Prozent sind. Das heißt, du konzentrierst dich zunächst auf die wichtigsten 20 Prozent deiner Tätigkeit, v.a. in den Phasen des Tages, in denen du richtig wach bist und richtig ungestört arbeiten kannst. Diese Tätigkeiten werden auch HPA – High Pay off Activities genannt – die Aktivitäten, die viel auszahlen, die richtig was bringen.
Denn du darfst nicht vergessen, dass Zeit ja die mit Abstand wichtigste Ressource ist. Die kannst du nicht vermehren, davon kann man nicht mehr kreieren. Du kannst natürlich mal weniger schlafen und dadurch ein bisschen mehr Zeit finden, aber das geht auch nicht auf Dauer. Es ist immer die Frage, wie du deine 24 Stunden bzw. deine vielleicht 14 maximal wachen Stunden oder auch deine 8 Arbeitsstunden (oder weniger) am Tag optimal nutzt, damit auch gut voran kommst und nicht so einen großen Berg an Aufgaben vor dir her schiebst. Dafür ist das Pareto Prinzip eine sehr sinnvolle Zeitmanagement-Methode, um deine Produktivität vielleicht auch sogar in allen Lebensbereichen etwas klüger einzusetzen.
Anwendung des Pareto-Prinzips auf das eigene Leben
Und nun einige konkrete Anwendungsbeispiele:
Verlier dich nicht im Detail und vermeide Perfektionismus. Also versuche erst einmal das Gros zu machen und nicht gleich das „perfekte Ergebnis“ herzustellen. Dafür kannst du erst mal schauen: „Was ist denn der wichtigste Teil einer Aufgabe? Was ist das, was ich unbedingt machen muss, damit ich schon mal was habe, was ich abgeben könnte?“
Zum Beispiel, wenn du eine Hausarbeit schreibst fürs Studium, was müsste da schon drinstehen, damit man zur Not nicht schön, aber immerhin pünktlich etwas abgeben könnte? Was ist das Wichtigste, was hinein muss?
Oder wenn du für eine Klausur lernst: Was ist das, was du unbedingt wissen musst, damit du nicht völlig daneben liegst und ganz viele Fragen nicht beantworten kannst. Ich persönlich fand es in meinem Studium immer sehr beruhigend und ich glaube auch in der Schulzeit davor, wenn ich wusste: „Okay, ich kann zu allem schon mal irgendwie was sagen oder zu den wichtigsten Bereichen, die auf jeden Fall drankommen kann ich schon etwas sagen oder hinschreiben.
Und danach kann man dann ganz in Ruhe die Details dazu lernen oder die Bereiche lernen, die eben noch fehlen.
Du kannst es auch im Beruf nutzen, indem du dich nicht von zu vielen kleinen Ablenkungen aus deiner großen Aufgabe herausreißen lässt, die ständig „rein ploppen“. Seien es E-Mails, die ankommen oder der Chef, der reinkommt oder dein Partner, Partnerin oder deine Angestellten,… Dass du versuchst, Zeitfenster freizuschaufeln. Am besten so, dass in der „Premium Zeit“, wenn du richtig fit bist, keine Ablenkung zu dir kommen, so dass du an den wichtigsten Aufgaben arbeiten kannst.
Alle Ablenkung kannst du in der Zwischenzeit irgendwo bündeln. Du kannst sie dir zum Beispiel aufschreiben oder deine Sekretärin, wenn du eine hast, die Leute an der Tür abfangen lassen. Oder du sagst, es gibt bestimmte Sprechzeiten und es gibt vor allen Dingen auch Nicht-Sprechzeiten. Nur falls das Büro brennt vielleicht. Und dann kannst du alle diese gesammelten Aufgaben terminieren und dir für Zeiten vorplanen, in denen du nicht an deiner wichtigsten Aufgabe arbeitest.
Du kannst es auch fürs Privatleben nutzen. Zum Beispiel indem du dich allen Dingen auf deine wichtigsten Beziehungen fokussierst, wenn du merkst, du hast jetzt gerade wenig Zeit, um soziale Beziehungen zu pflegen.
Denn es wurde auch festgestellt, dass 20 Prozent der Beziehung 80 Prozent des persönlichen Glücks ausmachen. Das heißt, 20 Prozent der Leute, die um dich sind – bei einem durchschnittlichen Erwachsenen sind es so zwischen drei bis fünf Freunde, vielleicht plus Familie – das sind die wichtigsten, die braucht man unbedingt und mit denen verbringt man auch am liebsten Zeit. Und dieser Kontakt nährt einen auch am meisten.
Und dann gibt es ganz viele andere Freunde und Bekannte und online-Kontakte usw., die auch alle Zeit brauchen und Zeit einfordern, aber die etwas weniger für dein Glück zuständig sind, sage ich jetzt einfach mal ganz vorsichtig. D.h. nicht, dass diese Menschen für dich unbedingt unwichtiger sind, aber wenn du auswählen musst, mit wem du jetzt deine Zeit verbringen kannst, dann solltest du nicht versuchen, dich zwischen allen hin- und herzuverteilen und dadurch total in Stress zu geraten, sondern noch mal zu überlegen. Besonders in stressigen Zeiten: Mit wem brauch ich denn den Kontakt und wer nährt mich, mit wem fühle ich mich am wohlsten? Und diesen Menschen solltest du dann vielleicht erst mal den Vorrang geben, selbst wenn etwas weitere Bekannte oder Freunde eben vielleicht mal ein bisschen länger warten müssen.
Du kannst das Pareto Prinzip auch für das Aufräumen benutzen. Zum Beispiel wenn du schnell klar Schiff machen musst oder wenn du sehr darunter leidest, wie es bei dir gerade aussieht, weil es vielleicht gerade ein bisschen stressig war oder du die Kraft nicht gefunden hast aufzuräumen: Mit welchen wenigen Schritten kannst du denn in kurzer Zeit die größtmögliche Ordnung wiederherstellen, damit du dich schon mal wieder wohlfühlst oder damit du auch schon mal wieder jemanden rein lassen kannst?
Und das ist ganz sicher nicht das Sortieren von Schubladen. Oft sind das eher die waagerechten Flächen, die sich meistens „von allein“ vollräumen, also Tische, Sitzmöbel, Fußboden, alles wo man irgendwas ablegen oder drauf hängen kann. Wenn du diese Flächen zuerst machst, dann hast du in der Regel schon eine gewisse Grundordnung.
Und danach kannst du dich ja dann darum kümmern, dass es in den Schränken auch ordentlich aussieht. Dafür kann man auch mal die Papiere und die Bücher, die sich angesammelt haben, auf Stapel sortieren. Das ist natürlich keine Dauerlösung, wenngleich ich gestehen muss, dass ich hier auch so ein paar Papier und Bücherstapel rumliegen habe. Aber wenn es gestapelt ist oder in Hänge-Registratur sortiert oder in einer Kiste abgelegt, dann sieht es schon mal ein bisschen besser aus und dann fühlst du dich gleich auch schon ein bisschen sortierter.
Oder wenn du ausmisten willst, welche Dinge brauchst du wirklich? Ich finde es ja spannend, dass man 80 Prozent der Zeit nur 20 Prozent der Kleidung trägt. Das ist ein Fünftel. Das heißt, ich werde in den nächsten Tagen auch mal wieder meinen Kleiderschrank öffnen und mal gucken: Welche 80% ziehe ich denn eigentlich fast nicht an? Da sind oft so Stücke dabei, die man irgendwie gern hat, die einem aber gar nicht so stehen. Oder Sachen, die nicht mehr passen, und wo man immer denkt, „Vielleicht schrumpfe/wachse ich noch noch wieder rein.“ Und auch da kann man ja mal schauen, wie realistisch ist das und wie lange würde das dauern? Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ist es denn dann eigentlich noch modern, wenn ich vermutlich wieder rein passe? Und will ich das dann eigentlich noch? Ist das noch die Farbe, die ich eigentlich trage? Oder kann ich vielleicht damit noch jemand anders glücklich machen und es weiter verkaufen, weiter verschenken oder auch spenden, damit andere Leute dann was tolles zum Anziehen haben?
Der letzte Punkt an Anwendungs-Ideen für heute sind die Finanzen: Wenn du gerade deine Finanzen sanieren willst, dann kannst du natürlich ganz viele Dinge tun, die dich diesem Ziel näher bringen. Aber wenn du schnell Erfolge sehen willst oder musst, kannst du dich natürlich fragen: Welche Einsparungen bringen mich am schnellsten dem finanziellen Ziel näher? Bei welchen 20 Prozent kannst du auch mal sparen oder eine Zahlungspause einlegen? Welche Maßnahmen helfen am schnellsten, wenn es gerade eng ist? Und mit welchen Maßnahmen kannst du am einfachsten und schnellsten mehr Geld generieren? Welcher Job oder welcher Auftrag oder welches Produkt bringt dir schnell am meisten Geld ein, damit du dein finanzielles Loch wieder stopfen kannst? Danach kommt dann die langfristige Planung, damit es langfristig nicht so aus dem Ruder läuft.
Achtung: So ist das Pareto-Prinzip nicht gedacht!
Zum Abschluss ein Achtung-Schild: Das Pareto Prinzip anzuwenden bedeutet natürlich nicht, das du jetzt immer nur noch 20 Prozent machen sollst. Und es bedeutet auch nicht, dass du 20 schlechte Prozent machen sollst und irgendwas dahinschludern und dann denken, dass du damit immer durchkommt. So ist das nicht gemeint. Es gibt immer auch Aufgaben, die einfach mehr Aufmerksamkeit brauchen und die man vielleicht auch komplett machen muss. Die Steuererklärung muss man z.B. vollständig machen. Da kann man nicht einfach 20 Prozent abgeben. Natürlich kann man das versuchen, es wird vermutlich aber nicht so gut funktionieren. Und zu jedem Job gehören natürlich auch Aufgaben, die nicht so produktiv sind und die nicht sofort das Geld reinbringen. Aber wenn du mit Kunden zu tun hast, die dir E-Mails schreiben, dann musst du diese natürlich auch beantworten, selbst wenn dir das in diesem Moment kein Geld bringt. Das gehört auch zu den Aktivitäten, die auf langfristige Beziehungen angelegt sind oder die einfach dazugehören.
Also schau einfach wie bei jeder Methode, worauf du das Pareto-Prinzip für dich gut anwenden kannst und wo es passt und wo es vielleicht auch nicht passt. Bitte verstehe diesen Beitrag als Einladung, als eine Methode, die du ausprobieren kannst, um dir deinen Alltag ein bisschen einfacher zu machen. Und um schneller ins Handeln zu kommen, schneller Ergebnisse zu sehen und natürlich auch entspannter zu sein.
Zum Pareto-Prinzip passt gut das Prioritäten-Setzen mit Eisenhauer und ABC-Analyse. Denn natürlich musst du auch schauen, welche Prioritäten setzt du und welches sind denn nun die 20 Prozent? Und dabei kann dir diese Matrix helfen.
Und es gibt ein ein Interview mit Agatha Bieschke, die noch eine tolle Matrix vorgeschlagen und über das sogenannte Prio-Frogging gesprochen hat. Da geht es darum „Eat the Frog first, aber eben bezogen auch auf die eigenen Prioritäten.
Ich wünsche dir viel Freude und Spaß beim Ausprobieren und viel Erfolg! Wie immer gilt: Wenn du Fragen hast, schreib mir gern.