Prioritäten setzen

In diesem Artikel geht es darum, wie du mit Hilfe einer Vierfeldermatrix deine Aufgaben in die richtige Reihenfolge bringen kannst. Es gibt dazu auch eine Podcast-Episode:

“Prioritätensetzung heißt, darüber zu entscheiden, welche Aufgaben erstrangig, zweitrangig und welche nachrangig zu behandeln sind” (vgl. SEIWERT, 2005, S. 41f.). Dies ist ein wichtiges Vorgehen, damit man am Ende des Tages nicht zwar viel aber das falsche gearbeitet hat. Häufig werden die Aufgaben, die einen persönlich weiter bringen, immer wieder nachrangig behandelt. Hierzu zählt bei vielen Menschen auch das eigene Studium.

ABC-Analyse / Eisenhower-Prinzip

Es ist ein hilfreiches Vorgehen, den anstehenden Aufgaben die Buchstaben A, B und C (sowie D) zuzuweisen (“ABC-Analyse”) (vgl. SEIWERT, 2005, S. 63). Es kann lohnend sein, seinen eigenen Tagesablauf einmal darauf hin zu analysieren, welche Aufgabentypen am häufigsten erledigt werden und welche häufig zurück stehen müssen. Die Prioritäten-Vergabe lässt sich noch mit den Attributen “dringend” und “nicht dringend” verknüpfen. Dann ergibt sich das folgende Schema. Es geht auf Dwight D. Eisenhower (1890 – 1969) zurück. Man kann es als (grobes) Entscheidungsraster verwenden, v.a. wenn schnell entschieden werden muss, welche Aufgaben zuerst bearbeitet werden sollten.

A-Aufgaben sind die wichtigsten Aufgaben und gleichzeitig dringend. Diese sollte man selbst und möglichst sofort in Angriff nehmen. Sie können nur von einem selbst erledigt werden, sind also nicht an jemand anderen delegierbar. Für die Erfüllung der ausgeübten Funktion (im Job) bzw. die eigenen Ziele sind sie von höchstem Wert. Hierzu gehören z.B. das Lernen für eine wichtige Prüfung, das Schreiben der Abschlussarbeit oder das prestigeträchtige Projekt bei der Arbeit, das zur Beförderung führen könnte.

B-Aufgaben sind durchschnittlich wichtig aber noch nicht dringend. Es können Aufgaben darunter sein, die teilweise delegierbar sind. Z.B. Korrekturlesen. Oder das Suchen neuer Ideen, das man am besten mit anderen Menschen gemeinsam erledigen kann. Es kann auch sinnvoll sein, jemanden zu beschäftigen, der die Interviews für die Abschlussarbeit abtippt, wenn ich selbst nicht so schnell tippen kann. Oder eine Putzhilfe, die regelmäßig zu Hause klar Schiff macht, während ich in dieser Zeit Geld verdiene. Manchmal kann man auch Aufgaben mit jemandem tauschen. Es muss nicht jeder alles selbst können.

C-Aufgaben sind die Aufgaben mit dem geringsten Wert für die eigenen Ziele. Leider haben sie meist den größten Anteil an der Menge der Arbeit (z.B. Routineaufgaben, Papierkram, Telefonieren, Haushalt usw.). Also Aufgaben, die für das Ziel, das man gerade vor Augen hat, nichts bringen, die sich aber “vordrängeln”. Hierunter zählen gerade in Studienabschlusszeiten häufig auch Gefallen für andere Menschen.

D-Aufgaben sind weder wichtig noch dringend. Sie sollten am besten direkt in den Papierkorb wandern. Einzige Einschränkung: Wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die einem Freude bereiten, sollten sie in die Kategorie “Belohnung” wechseln, weil sie eine angenehme Abwechslung bieten können (z.B. meinen Avatar im Computerspiel auf Level 100 bringen, meinen Garten verschönern usw.). Oder wenn du dich davon nicht trennen magst, such am besten jemand anderen, der die Sache für dich erledigt, und gib sie ab.

Tipp: Folgende Tagesplanung hat sich bewährt (vgl. SEIWERT, 2005, S. 43):
1 – 2 A-Prioritäten pro Tag einplanen (ca. 2 – 3 Stunden gesamt)
2 – 3 B-Aufgaben pro Tag einplanen (ca. 1 Stunde)
den Rest für C-Aufgaben (ca. 3-4 Stunde) reservieren

Achtung:

Manche B’s sind eigentlich A’s, sage ich in meinen Veranstaltungen häufig. D.h. sie sind noch nicht dringend, aber sehr wichtig für die eigenen Ziele. Wenn man zu lange wartet, werden sie dringend, deshalb sollte man sie rechtzeitig mit in die Planung aufnehmen.

Wenn ich mich selbständig machen will, ist die Akquise von neuen Kunden zu Beginn vielleicht noch nicht dringend. Es gibt viele andere Tätigkeiten, die zuerst meine Aufmerksamkeit fordern wie die Finanzierung, das Layout, die Erstellung meiner Homepage usw. Wenn ich aber nicht zu irgendeinem Punkt damit beginne, ein Angebot zu erstellen und es potentiellen KundInnen zu zeigen, werde ich langfristig keine Einnahmen generieren und mein Business kann nicht ins Laufen kommen.

Wenn mein Ziel ist, den Studienabschluss zu machen, dann ist das Schreiben einer entsprechenden Hausarbeit oder sogar der Abschlussarbeit auf jeden Fall wichtig. Wenn der Abgabetermin erst in einem halben Jahr ist, dann ist es erst mal noch nicht dringend. Aber wenn man lange genug wartet, wird die Aufgabe irgendwann dringend. Wenn der Abgabetermin nicht mehr lange hin ist, dann ist es wirklich dringend.

Und auch die klassische Steuererklärung ist sehr wichtig, aber eine lange Zeit noch nicht dringend, bis sie dann bei vielen in der Regel plötzlich sehr dringend wird.

Es macht bei solchen Aufgaben Sinn, etwas rechtzeitiger anzufangen und die Dringlichkeit selbst herzustellen, d.h. die Priorität auf A heraufzusetzen. Bereits Kunden zu haben und das Angebot dann entsprechend ihrer Bedarfe fertigzustellen oder zu entwickeln, ist mittlerweile sogar eine Empfehlung vieler Marketing-ExpertInnen. Und eine Abschlussarbeit für Studium oder Weiterbildung oder die Steuererklärung kann man im Zweifelsfalls auch vor dem offiziellen Termin abgeben, falls man sich verschätzt hat.

Das fühlt sich sogar sehr gut an und trägt zur persönlichen Entspannung bei.

Literatur:
Seiwert, L. (2005): Das neue 1 x 1 des Zeitmanagement. GU, München.

Bildquelle: canva.com

Weniger Prokrastination und entspanntes Zeitmanagement mit der Ivy Lee Methode

In diesem Beitrag stelle ich dir eine sehr einfache Methode vor, die viele noch gar nicht kennen. Mit dieser Methode kannst du ohne viel Aufwand eine gute Planung machen. Dadurch kannst du effizienter arbeiten, mehr schaffen und dadurch motivierter bist, weil du nicht so eine endlos lange To-Do-Liste hast, die am Ende des Tages fast genauso lang ist wie am Morgen.

Die Methode besteht aus 6 einfachen Schritten, die ich dir im folgenden Video der Reihe nach erkläre:

Falls du lieber liest, hier die Zusammenfassung:

  1. Du notierst dir die 6 wichtigsten Aufgaben für morgen, wenn du am Abend vorplanst (oder für heute wenn du jetzt sofort anfangen willst)
  2. Bring die Aufgaben in die richtige Reihenfolge. D.h. sortiere sie nach Priorität 1 – 6, Priorität 1 ist am wichtigsten. (Meinen Artikel über Prioritäten findest du hier.)
  3. Do it! Erledige Aufgabe 1. 🙂 Hier für kannst du alle Techniken nutzen, die du kennst, z.B. große Aufgaben unterteilen, Pomodoro-Technik, Umgang mit Emotionen zur Aufgabe,…
  4. Überprüfe die restlichen Prioritäten 2 – 6. Stimmt noch alles? Falls nicht, passe die Prioritäten an.
  5. Erledige Aufgabe 2, dann wiederhole Schritt 4 und geh danach die nächste Aufgabe an, bis alles erledigt oder der Tag vorbei ist.
  6. Erstelle eine neue Liste mit 6 Aufgaben für den nächsten Tag.

Soweit die “reine Lehre”. Wenn du mir schon ein bisschen folgst, weißt du, dass ich die “Queen des Anpassens und Abwandelns” bin. D.h. ich empfehle u.U. auch, die Methode auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. D.h. von mir aus könntest du dir auch nur 3 Aufgaben vornehmen.

Wichtig ist aber, dass du realistisch planst. 20 – 30 To-Do’s für einen Tag sind in der Regel nicht zu schaffen. Und sich ständig zu viel vorzunehmen und das nicht zu schaffen, wirkt sich negativ auf die eigene Motivation aus. Dann fühlst du dich, als hättest du “nichts geschafft” und bist unzufrieden mit dir selbst. Im Gegenteil dazu fühlt es sich einfach gut an und ist motivierend, wenn du dein Tagwerk abends geschafft hast. Dann kannst du guten Gewissens deinen Feierabend genießen.

Insofern ist die Ivy-Lee-Methode einerseits gut geeignet, um weniger aufzuschieben, weil du gleich morgens weißt, womit du starten willst und nicht zuerst überlegen musst, was zu tun ist. Es gibt also eine Ausrede weniger ;-). Und dadurch, dass die wichtigste Aufgabe zuerst dran kommt, umgehst du den Impuls, dich davor womöglich zu drücken, weil die Aufgabe in irgendeiner Form unangenehm ist.

Und andererseits führt die Methode zu mehr Entspannung, weil du abends deinen Erfolg siehst und v.a. die wichtigsten Aufgaben schon erledigt hast.

Zur Geschichte der Methode:

1918 suchte Charles M. Schwab, der Präsident des zweitgrößten Stahlunternehmens der damaligen Zeit, “Bethlehem Steel”, einen Weg zu mehr Produktivität und Effizienz im Unternehmen. Ivy Lee war damals ein Experte für Produktivität und Schwab fragte ihn “Wie könnten wir in der gleichen Zeit produktiver sein?”. Ivy Lee antwortete: “Um das zu beantworten, brauche ich 15 Minuten mit Ihnen und Ihren Führungskräften. Danach können Sie die Methode drei Monate lang ausprobieren. Anschließend können Sie mir das Bezahlen, was Sie für angemessen halten.” Er bekam 25.000 US Dollar. Das wäre auch heute für 15 Minuten schon ein guter Lohn, aber damals war es ungleich mehr Geld. Daran sieht man, dass die Methode erstaunlich gut funktioniert haben muss. (Sie wird manchmal auch 25.000 $-Methode genannt.)

Die Vorteile der Methode auf einen Blick:

  • Klarer Fokus auf wenige Aufgaben. Du weißt genau, was zu tun ist.
  • Klarheit: Klare Prioritäten. Es ist ganz klar, was zu tun ist.
  • Weniger “Selbst-Beschummeln”, d.h. du merkst, wenn du das weniger wichtige zuerst machst.
  • Effizienz: Das Ziel ist möglichst ungestörte Arbeit ohne Ablenkung. Dafür kannst du z.B. ergänzend die Pomodoro-Technik nutzen.
  • Schriftlicher Überblick über die Aufgaben.
  • Motivation durch Erfolgserlebnisse durch das Erledigen und Abhaken wirklich wichtiger Aufgaben.
  • Einfache Anwendung: Papier und Stift reicht.
  • Leichter Einstieg am Morgen.

Probier es am besten jetzt gleich aus und erstell dir deine erste Liste nach der Ivy-Lee-Methode. Schreib mir gern, wie es geklappt hat.

Ich wünsche dir einen schönen, angenehmen, produktiven Tag!

Herzliche Grüße

Deine Catrin

Wie ich meine 1000 Dinge organisiere und dabei entspannt bleibe

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich die “1000 Dinge”, die ich so tue, unter einen Hut und organisiert kriege, habe ich im Rahmen meiner CatrinTVLive-Reihe einmal erklärt und gezeigt, wie ich das mache.

Hier gibt es das ganze Video zu sehen (ab 3:31 Minuten geht es mit dem Thema los):

Und für die Eiligen hier die Zusammenfassung:

Meine “1000 Dinge” bestehen aus einer halben Stelle an der Universität Hamburg sowie einer halben Stelle, in der ich freiberuflich offline wie online Trainings und Coachings gebe. Nebenbei sitze ich noch an meiner Doktorarbeit und habe außerdem Familie, d.h. meinen Mann und meine kleine Tochter. Und in meiner Freizeit bin ich sehr gern kreativ tätig. D.h. ich habe viele verschiedene “Baustellen”.

Wie organisiere ich mich zeitlich? Ich benutze…

… meinen Kalender (tatsächlich ein echter, richtig zum Anfassen),

… einen Google-Kalender für Terminüberblick (damit auch mein Mann für Planungszwecke meine Termine jederzeit einsehen kann),

… mein Handy (Erinnerungsfunktion, Einkaufszettel als Foto oder Notizen, Ideen als Notizen),

… To-Do-Listen.

Welche Zeitmanagement-Techniken nutze ich?

Prioritäten setzen (dazu gibt es auch einen eigenen Beitrag auf dieser Seite)
Der Trick ist, die Aufgaben zu erledigen, wenn sie noch “B-Priorität” haben, d.h. zwar wichtig aber noch nicht dringend sind.

Flexibel bleiben – Möglichkeit zum Umplanen haben

Atmen! Vor allem, wenn ich merke, dass ich gerade gestresst bin.

Hilfreiche Fragen: Wie könnte es einfach gehen? Wer könnte mir helfen? Was könnte mir helfen? Wie könnte ich das einfacher machen?

Im Fluss arbeiten und nicht dagegen, d.h. ich suche aus den Aufgaben aus, wonach mir gerade am ehesten ist

den richtigen Zeitpunkt wählen, z.B. Denkaufgaben am Morgen, Routinetätigkeiten im Mittagstief,…

(Das Gewinnspiel, das auf Facebook stattgefunden hat, ist leider bereits beendet. 🙁 Aber es gibt immer mal wieder ein neues. Also bleibt dran! :-))

Dem Gefühl folgen und Prioritäten setzen

Hallo allerseits!

Na, habt Ihr mich vermisst? Ich hoffe doch schon. 🙂  Es ist eine Weile her, dass ich die Zeit gefunden habe, einen Artikel zu schreiben und böse Zungen könnten jetzt sagen, dass ich selbst ein Prokrastinationsproblem habe. Nein! Ich doch nicht! ;-))

Tatsächlich gibt es ja einen Unterschied zwischen auf-schieben und ver-schieben. Beim ersteren erledigt man alles andere zuerst, um einer unliebsame oder unangenehme Aufgabe aus dem Weg zu gehen. Beim zweiten geht es einfach darum, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, was zuerst dran ist und was warten muss. Und Mitte diesen Jahres war es für mich Zeit, einmal zu überprüfen, was ich gerade tue und ob sich das noch stimmig anfühlt. Dabei habe ich festgestellt, dass ein sehr wichtiges Projekt schon seit längerer Zeit keine Aufmerksamkeit mehr erhalten hat. Dass ich sehr viel “online” gemacht habe, aber dafür einiges “offline” vernachlässigt habe. Und diese Energieverteilung fühlte sich nicht mehr gut an.

Deshalb habe ich meine Prioritäten neu gesetzt und entschieden, dass das Projekt jetzt den Raum erhält, den es verdient hat. Ich habe mich gleich an die Arbeit gemacht und bin vollständig eingetaucht und habe den ganzen Sommer und Frühherbst – abzüglich Urlaub natürlich – in jeder freien Arbeitsminute dran gesessen. Flow sozusagen. Das fühlte sich richtig gut an!

Überhaupt kann ich sehr empfehlen, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob das, was man gerade tut, noch die wichtigsten Prioritäten abdeckt. Oder ob eine Veränderung notwendig ist. Oft merkt man, dass es dringend Zeit ist, mal wieder zu stoppen und eine kleine Denkpause einzulegen, wenn sich eine innerliche Unzufriedenheit einstellt. Man arbeitet zwar, aber irgendwie fühlt es sich nicht mehr richtig an. Oder man ist nicht mehr voll und ganz zufrieden, obwohl die Arbeit sehr wohl effektiv ist.

Als Werkzeug kann man den Dingen Buchstaben zuordnen: A für sehr wichtig und dringend zu erledigen, B für sehr wichtig und (noch)  nicht dringend, C für weniger wichtig aber dringend (ja, das gibt es auch, ob Dinge, die der Aufrechterhaltung des täglichen Lebens dienen oder die wir für andere Leute tun) und D für weder noch. Zeitplanungsbücher empfehlen, A schnell selbst zu machen, B auch, C zu delegieren und D sein zu lassen. Nunja, ganz so einfach ist das wohl nicht. Aber eine regelmäßige “Inventur”, mit welchen Buchstaben ich die meiste Zeit des Tages beschäftigt bin, finde ich sehr sinnvoll und hilfreich. Und wer es schafft, die B-Prioritäten rechtzeitig zu erledigen, vermeidet zuviele A’s, die dann alle gleichzeitig “brennen”.

Soviel als erste Anregung dazu. Über dieses und verwandte Themen schreibe ich in der nächsten Zeit sicherlich noch mehr unter der Rubrik “Prokrastination”. Es passt aber gleichzeitig zur Entspannungsthematik und zur Achtsamkeit.

Und ich nehme mir hiermit offiziell vor, wieder regelmäßiger zu schreiben – weil es sich gut anfühlt.

Bis dahin herzliche Grüße

Catrin Grobbin

Akzeptieren, was ist – Wie du aus ungeplanten Situationen das Beste machst.

Unsere Tochter ist seit zwei Wochen krank… Damit Ihr mich nicht falsch versteht, sie ist tagsüber nicht wirklich hinfällig, nur anhänglich, will und braucht bitte ansonsten aber genug interessante Kinderaction…

Ich gestehe, einige Tage hat mich diese Situation sehr gestresst und genervt. Vor allem diese Woche, als sich abzeichnete, dass sie noch die ganze Woche zu Hause bleiben muss. Ich hatte gestern und heute zwei Veranstaltungen, bei beiden Kursen war zuvor schonmal ein Termin ausgefallen. Schwierige Situation, Abwägen war gefragt. Wer kann zu Hause bleiben, wie geht das organisatorisch? Mangels Großeltern in der Nähe findet diese Diskussion immer nur zwischen meinem Mann und mir statt. Nicht die Riesenauswahl…

Es wurde schnell klar, dass ich wohl dieses Mal die Betreuung machen musste, keine Alternative möglich. Ich war wütend, frustriert und verzweifelt! Meine Termine schon wieder absagen? Kommt gar nicht in Frage! Wir soll das gehen? Sie mitnehmen? Das geht doch nicht! Und morgens auch noch in die Kinderarztpraxis?! GEHT ABSOLUT NICHT!

Aber dann schaffte ich es irgendwie die Kurve zu kriegen und es zu akzeptierten. Und siehe da: dadurch konnten Lösungen entstehen.

Schlussendlich habe ich gestern etwas später begonnen und dann bis zur Ablösung durch meinen Mann mit Tochter nebenbei das Seminar geleitet. Und heute sogar die ganzen drei Stunden. Und es hat funktioniert! Natürlich war es anders als sonst, für mich anstrengender und teilweise mit Ablenkung. Aber gleichzeitig gab es auch viel Freude und Entzücken im Raum über diese kleine Person, die so engagiert mitarbeiten wollte.

Wenn ich mir einmal auf die Schulter klopfen darf: Dies wurde auch möglich dadurch, dass es mir gelungen ist, die Situation so abzulehnen. Byebye Perfektionsanspruch, willkommen Flexibilität. Kind einfach alle Unterlagen auf dem Fußboden sortieren oder das Flipchart mit gestalten lassen, Mittagsschlaf auf meinem Rücken und dabei Auswertung einer Übung, Spaziergang über die Flure, während die Teilnehmer eine Entspannungsübung hören… Ging alles.

In diesem Sinne wünsche ich Euch für die nächste Zeit auch den Mut, Ungewöhnliches und Störendes annehmen und willkommen heißen zu können. Hoch lebe der Kontrast! Mich hat diese Erfahrung bereichert und wachsen lassen. (Wenngleich ich das natürlich auch nicht jede Woche wiederholen müsste…)

Herzliche Grüße

Eure Catrin Grobbin

Atempausen in stressigen Zeiten

Im Moment arbeite ich sehr viel. Ein bisschen zuviel vielleicht sogar. Da passt das Thema Verlangsamung eigentlich gar nicht hinein. Eher schneller, schneller, dies noch, das noch…

Vielleicht kennst Du auch solche Phasen, in denen sich vieles aufgetürmt hat und Du beim Abarbeiten denkst “Wer hat das zeitlich eigentlich so geplant?!” Und wenn Du dann endlich einen freien Tag in Aussicht hast, winkt die dringend zu erledigende Steuererklärung…

Aber es ist ja normal im Leben, dass es auch solche Phasen immer mal wieder gibt. Aus meiner Sicht besteht die Kunst daran, diese gut zu überstehen, und auch daraus zu lernen, wie es beim nächsten Mal vielleicht wieder etwas ruhiger und langsamer geht. Versteht mich nicht falsch, es macht auch wirklich Spaß, viel zu schaffen und ich habe große Freude an meinem Beruf! Aber manchmal ist es eben doch ein bisschen zuviel auf einmal. Jedenfalls habe ich mir inmitten dieser Phase, die jetzt noch ca. 2 Wochen lang dauern wird, schon einiges vorgenommen, damit es sich nicht so schnell wieder so sehr stapelt:

  1. Steuererklärung früher anfangen 🙂 Wobei wir noch nie so früh und auch so schnell waren wie dieses Mal. Liebes Finanzamt: Wir haben es doch noch geschafft und die Erklärung liegt jetzt in Ihrem Briefkasten! Vielleicht doch ganz gut, wenn es mal keine Fristverlängerung gibt. Eigentlich passt das Thema ja nie…
  2. Kein neues Seminar mehr ins Vorlesungsverzeichnis schreiben, BEVOR ich es ausgearbeitet habe. Mit Kind kann ich einfach keine “entspannten” Überstunden mehr machen…
  3. Das Atmen nicht vergessen!
  4. Und auch mal wieder lächeln!

Über die letzten zwei Punkte möchte ich noch ein paar Worte verlieren: Wenn mein Leben mir zu schnell wird, beobachte ich mich häufig dabei, wie ich regelrecht atemlos werde. Ich fühle mich dann oft sehr gehetzt, selbst, wenn es nicht in jedem Augenblick so eilig zugehen müsste. Aber die Gesamtarbeitslast drückt mich dann so sehr, dass ich fast vergesse, Luft zu holen. Dann muss ich mich immer mal wieder daran erinnern, mal wieder tief ein- und auch wieder auszuatmen. Falls es Dir auch gerade so geht, gleich mal ausprobieren:

tief EINATMEN

PAUSE

ganz AUSATMEN

Gut, oder? Und gleich nochmal!

EIN

PAUSE

AUS

Sehr schön!

Und zum Lächeln: Mir wird nachgesagt, dass ich ein wenig den Charme verliere, wenn es zu hoch her geht. Und ich muss zugeben, da ist ein Körnchen Wahrheit dran. Wenn nur noch Arbeit in der Luft liegt, vergesse ich manchmal, die Freude am Leben zu zelebrieren. Das kann für mein Umfeld, allen voran mein liebster Gatte, ziemlich anstrengend werden – vor allem, wenn wir dabei auch noch die Steuererklärung machen müssen, grrr…

Mein Liebster, hiermit entschuldige ich mich öffentlich in aller Form für jede Minute schlechter Stimmung in den letzten Wochen und gelobe feierlich Besserung! Ich hab Dich lieb und werde mich ab jetzt wieder mehr auf die Schönheit des Lebens und vor allem unseres Zusammenlebens besinnen! Küsschen!

Jetzt halte ich noch zwei Wochen durch und freue mich ansonsten schon sehr auf unsere längere Atempause im Urlaub! Und vielleicht kann ich den einen Leser oder die andere Leserin ja auch inspirieren, gerade jetzt zum Beginn der Herbstzeit und dem dräuenden Jahresende ab und zu wieder einmal tief durchzuatmen und einmal mehr zu lächeln, auch wenn es viel zu tun gibt…

Herzliche Grüße

Catrin Grobbin

“Slow Life Challenge”

Ende April hat eine sehr gute Freundin zu einer 30-Tage-Challenge eingeladen: Slow Down. Enjoy Life. Sie hatte dafür einen Abreißkalender, auf dem es 30 verschiedene Anregungen für Verlangsamung gab. Eine total schöne Idee, fand ich, und ließ mir sehr gern von Ihr jeweils die Aufgabe per WhatsApp schicken. Wie sie berichtet hat, blieb ich nicht die einzige, mit der Zeit hatte sie eine richtige “Slow life-Gruppe”, die sie jeden Morgen mit einer neuen Verlangsamungsidee versorgte.

Es fing ganz gemütlich an: Take a deep breath, and repeat. Leichte Übung, gute Erinnerung, das gefiel mir schonmal sehr gut. Die Übung des nächsten Tages war schon etwas kniffliger “Have an Acai Bowl for Breakfast.” Dieses Frühstück war uns bisher nicht bekannt und die Zutaten hatten wir auch nicht zur Hand. Aber eine andere leckere Alternative geht ja auch, beschlossen wir. Es sollte ja schließlich kein Stress werden.

Die Aufgabe des dritten Tages war wieder ganz nach meinem Geschmack: Take a 20 Min Nap. Und tatsächlich schaffte ich es an diesem Tag, ein Nickerchen einzulegen, das schaffe ich längst nicht jeden Tag, Aufgabe erfüllt, check. Und sehr weiterzuempfehlen.

Weitere folgende Aufgaben, ein Bild auszumalen sowie ein Buch zu beginnen, musste ich überspringen bzw. stark abwandeln, soviel Zeit stand mir nicht zur Verfügung. Als berufstätige Mutter fand ich die Challenge an solchen Tagen ein wenig frustrierend. Spätestens da habe ich beschlossen, die Aufgaben nicht in genau der Reihenfolge zu versuchen und auch zu variieren oder zu ersetzen, wenn es nicht passt. Sonst wäre es keine schöne Sache für mich gewesen. So hatte ich die Aufgabe “kümmere dich um deine Pflanzen” aus meiner Sicht schon beim Aussähen meiner kleinen Gemüsepflänzchen erledigt (siehe eigener Artikel, sie leben jetzt allerdings auf meinem Balkon und bei einer anderen Freundin im Garten), ließ das Schreiben eines Tagebuchs weg (bzw. mache jetzt etwas ähnliches), und zum Scrapbooken hatte ich keine Lust. Über die Aufgaben, ein altes Möbelstück zu restaurieren oder den ganzen Tag im Bett zu bleiben, musste ich lauthals lachen – und habe dann stattdessen einfach auf dem Weg zur KiTa den Vögeln zugehört oder eine Runde aus dem Fenster geguckt. Darin besteht in meinen Augen auch eine Herausforderung: sich etwas vorzunehmen, um sich etwas Gutes zu tun, ohne daraus ein Dogma zu machen. Dabei bleiben, aber es so in den Alltag einbauen, dass es stressfrei möglich ist. Das gilt für mich auch für andere Projekte, wie Entspannungsübungen, Meditation, Bewegung. Wenn die tägliche “Entspannungs-Routine” mir Stress macht, läuft irgendetwas daran falsch.

Erstaunlicherweise ist mir aber aufgefallen, dass ich viele Aspekte, die in dieser Challenge angeregt werden, tatsächlich schon in mein Leben eingebaut habe, und das hat mich sehr gefreut. Ich habe wie gesagt schon Pflanzen gepflanzt, male ab und zu ein Bildchen, gucke in die Wolken, genieße bewusst mein Essen oder achte auf meinen Atem. Insofern war es für mich an vielen Stellen eine Erinnerung oder auch eine Bestätigung, dass ich schon in die Richtung unterwegs bin, die mir vorschwebt.

Darüber hinaus habe ich sehr den morgendlichen Kontakt genossen, das Sich-einmal-am-Tag-etwas-Nettes-schreiben. Das wird mir fehlen, bzw. vielleicht können wir ja ein bisschen davon beibehalten, auch wenn wir beide sehr busy sind? Ich bin gespannt, ob mir und uns das gelingt, auch ohne “Anlass”. Klingt auch nach einer kleinen Herausforderung.

Wenn ich so eine Aufgabensammlung herausbrächte, dann mit Kärtchen zum herauspicken und nicht mit einer festen Reihenfolge. Das fände ich schön, mir einfach immer heraussuchen, was gerade passt. Auch wären darin noch mehr kleine Anregungen enthalten und nicht so viele große Aufgaben, denn für diese braucht man wirklich die entsprechenden Zeitfenster. Auf die freue ich mich schon, wenn unsere Tochter größer ist, aber im Moment ist vieles einfach nicht so einfach machbar, und ich habe den Eindruck, dass das noch mehr Leuten so geht, selbst denen ohne Kinder. Vielleicht könnte man auch eine “Alltags-Challenge” und eine “Urlaubs-Challenge” draus machen? Vielleicht mache ich das irgendwann sogar mal. Oder meine Freundin. 🙂

Als Anregung was es auf jeden Fall eine sehr schöne Sache. Überleg mal, was könnte denn eine Verlangsamungsaufgabe für dich sein? Was tut dir gut und was davon hast du lange nicht mehr gemacht? Oder was könntest du dir ruhig öfter gönnen? Atmen oder in die Wolken gucken passt ja eigentlich immer mal zwischendurch. Oder bewusst essen. Ich wünsche dir viel Spaß und Entspannung dabei, auch in einem vollen Terminkalender.

In diesem Sinne: Immer schön langsam! Das ist die Challenge.

Catrin Grobbin

PS: Übrigens war ich ziemlich überrascht, dass schon wieder 30 Tage um sind… Auch das wieder eine schöne Anregung, immer mal wieder zu verlangsamen, die Zeit verrinnt ohnehin schon so schnell.

Advent, Advent und alles rennt…

Der erste Advent steht vor der Tür. Und wie jedes Jahr kommt Weihnachten wieder ganz plötzlich. In nicht einmal vier Wochen ist Heiligabend. Diese Tatsache versetzt viele bereits jetzt in hektische Betriebsamkeit. Was noch alles zu erledigen ist, einzukaufen vor allem! In der Stadt kann man es ja schon lange an der Weihnachtsdekoration und den weihnachtlichen Süßwaren erkennen, aber spätestens am Samstag vor dem ersten Advent geht die Jagd richtig los: Geschenke müssen her! Ohje! Andere fangen erst am 23. oder 24.12. mit der Geschenkejagd an und sind dann RICHTIG im Stress! Keine guten Voraussetzungen für adventliche oder gar weihnachtliche Stimmung.

Glücklicherweise kann ich mich da vergleichsweise entspannt zurücklehnen und das Treiben betrachten. In meiner Herkunftsfamilie war es an Weihnachten und auch davor immer sehr gemütlich, und so halten wir es dankenswerterweise auch heute noch. Es muss nicht jede und jeder unbedingt ausgerechnet an den Feiertagen selbst besucht werden. Das ginge bei uns zum Glück auch schon räumlich gesehen nicht. Und ist es nicht auch eigentlich viel schöner, die gemeinsamen Essen auf das ganze Jahr zu verteilen, anstatt sich an drei Feiertagen von Festessen zu Festessen zu hangeln und hinterher völlig erschöpft auf das eigene Sofa zu sinken und zu denken “Gott sei Dank ist DAS vorbei!” ? Ich finde schon, dass das auch besser geht.

Und die Sache mit den Geschenken. Versteht mich nicht falsch: Ich schenke sehr gern, gern Selbstgemachtes, aber auch Gekauftes. Ich kriege auch sehr gern Geschenke. Aber dieser Zwang, für jede/n das Richtige ausgerechnet zu Weihnachten zu finden, ist nicht so richtig mein Ding. Und schon gar nicht der größer-teurer-spektakulärer-Trend! Auch da bin ich sehr froh, dass wir Erwachsenen in unserer Familie uns nichts, oder höchstens etwas Kleines (Achtung: Falle :-)) schenken. Die Kinder bekommen natürlich etwas, das soll und muss auch so sein. Aber auch das ist zur Zeit entspannt, denn ab einem gewissen Alter sind Geldgaben ja das liebste Geschenk, gilt es doch, sich größere Träume erfüllen, als die, die man mal eben so unter den Baum legen kann. Und unser Kind ist zum Glück noch mit allem zufrieden, es ist ohnehin ihr erstes Weihnachten, da haben wir noch ein wenig Zeit bis zum ersten Wunschzettel…

Und mal ehrlich: Ist es nicht das schönste Geschenk, dass man einander hat? Dass man so, wie es eben entspannt geht, schöne Zeit miteinander verbringt? Dass man sich ansonsten vielleicht auch irgendwann im Jahr unerwartet eine Freude bereitet, wenn man etwas Schönes findet, das einem zuruft: “Ich bin genau das Richtige jetzt gerade für Gertrud! Schenk mich einfach gleich!” Oder vielleicht zum Geburtstag? Jedenfalls doch nicht unbedingt auf Zwang dann, wenn die Geschäfte einem Riesenpakete in die Schaufenster stellen. Mich stresst das jedenfalls zu sehr, ich mache da nicht mit. Und stricke lieber in der Zeit an einem neuen Paar Socken für meinen Liebsten, der mal wieder damit “dran” ist (ich kann nicht jeden jedes Jahr bestricken, das wäre ja Stress). Und der das übrigens auch weiß und gesagt hat: “Mach dir keinen Stress, ganz in Ruhe. Wenn sie bis Weihnachten nicht fertig sind, zieh ich sie halt etwas später an.” Danke!

Natürlich mache ich mir manche Jahre auch mehr Arbeit mit den Geschenken, stricke, häkle, bastele Geschenke für alle, die  ich gern beschenken möchte. Aber da gibt es in meinem Empfinden einen Unterschied zum allgegenwärtigen Geschenkewahn, den ich beobachte: Ich habe SPAß dabei, die Geschenke zu machen! Es ist eine schöne Freizeitbeschäftigung, mir etwas Schönes auszudenken und das dann in die Tat umzusetzen. Und ein Trick dabei ist außerdem: Wenn ich so etwas vorhabe, fange ich sehr rechtzeitig an. Somit komme ich selten wirklich in Stress. Und ich habe schöne Vorhaben, die mir viele schöne Stunden früher im Jahr bescheren, so macht Schenken gleich viel mehr Spaß! (Ich gebe zu, dieser Hinweis kommt für dieses Jahr etwas spät, aber vielleicht schreibe ich ihn in meinem Anti-Aufschiebeblog, den ich bisher noch aufschiebe, dann etwas rechtzeitiger fürs nächste Jahr.) Wenn du entspannte Geschenkideen für jetzt hast, die du mit anderen teilen möchtest, dann schreibe sie doch gern im Kommentar unter diesen Text.

Im Übrigen finde ich es wunderbar, einfach warm eingemummelt draußen spazieren zu gehen, die schönen Adventslichter zu betrachten (die liebe ich wirklich sehr, vor allem im nasskalten November und Dezember!). Und am besten ist das Ganze, wenn die Geschäfte schon geschlossen haben, dann ist die Atmosphäre gleich viel entspannter und adventlicher. 😉

Also: Mach doch mal langsam und erinnere dich an die eigentliche Botschaft von Weihnachten: Liebe und Freude! Mach es dir schön und gemütlich, trinke einen schönen Tee mit Freunden, und freue dich des Lebens.

In diesem Sinne wünsche ich allseits eine besinnliche und mögliches entschleunigte, stressarme Adventszeit!

Catrin Grobbin